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Mensch und Hund

viele Veränderungen, viele Probleme: Zeit umzukehren


Hundetrainerin Marion Hoeft: Mensch und Hund - viele Veränderungen, viele Probleme
Hundetrainerin Marion Hoeft: Mensch und Hund: viele Veränderung, viele Probleme: Zeit umzukehren!


Seit Jahrtausenden leben Mensch und Hund zusammen, zusammengefunden weil man sich das Überleben gegenseitig sichern konnte.


Menschen machten sich die hervorragenden Jagdeigenschaften der Hunde zu eigen. Man ging gemeinsam auf die Jagd und für Beide fiel genug Futter ab. Man war Partner auf Augenhöhe.


Dies änderte sich als der Mensch seßhaft wurde und sich der Viehhaltung widmete. Dass sich die ehemaligen Jagdkumpane an den eigenen Schafen oder Rindern bedienten, war nicht mehr erwünscht. Unter den einstigen Jagdgenossen Hund und Mensch begann ein Kampf um die Ressource Futter. Vielen Hunden hat dies das Leben gekostet, gegen die Waffen der Menschen waren sie wehrlos.


Die Menschen erkannten allerdings die herausragenden Fähigkeiten der Hunde wie Intelligenz, Wachsamkeit, hervorragender Geruchs- und Gehörsinn sowie den Jagdtrieb.


Mit der Veränderung des Menschen mussten sich aber auch die Hunde verändern. Wilde Hunde waren für die Menschen nicht von nutzen. So begann man, Hunde für spezielle Aufgaben zu züchten, je nachdem welchen Zweck sie für die Menschen erfüllen sollten.


Man begann die Hunde für sich arbeiten zu lassen. Sie bewachten Haus in Hof, beschützten die Viehherden oder halfen bei der Nahrungsbeschaffung, der Jagd.


Mit diesen Aufgaben waren die Hunde voll und ganz ausgelastet. 


Die Menschen aber veränderten sich immer mehr, sie wurden zu Landwirten und versorgten sich größenteils mit dem was sie selbst angebaut hatten. Hund und Mensch wurden wieder zu Partnern. Die Hunde erledigten ihren Job, als „Lohn" gab es Futter. Dieses Futter bestand hauptsächlich aus den Essensresten der Menschen.


Trotz dieser aus heutiger Sicht tödlichen Ernährung, waren die Hunde erstaunlich zäh und widerstandsfähig. Sie lebten draußen, egal bei welcher Witterung und niemand machte sich Gedanken ob die Hunde einen Hitzeschock bekommen oder sich bei Regen eine Erkältung einfangen könnten.


Die Veränderung der Menschen aber ging weiter. Statt für sich selber zu arbeiten und sich selbst zu versorgen, begann man für andere zu arbeiten. Man ging in Fabriken um Geld zu verdienen. Mit diesem Geld erkaufte man sich ein angenehmeres Leben mit vielen Dingen, die man meinte zu brauchen: Autos, schicke Möbel, hippe Klamotten etc.


Für die Hunde bedeutete die Einläutung der Industrialisierung abermals, dass Sie ihren Job verloren. Es gab kaum noch Höfe, die die herausragenden Wächter oder Hüter benötigten. 


Sie waren die Verlierer des als fortschrittlich bezeichneten Lebensstils der Menschen und dies hat auf unsere Hunde bis heute Auswirkungen.


Die zunehmende Urbanisierung hatte auch Auswirkungen auf die Menschen. Statt in großen Familien eingebettet zu sein, lebte man vielfach allein und ein neues Gefühl kam auf: Einsamkeit!


Wieder machte man sich den Hund zu nutze, allerdings waren sein robustes Äußeres und seine Eigenständigkeit nicht mehr erwünscht.


Der Mensch begann abermals, Hunde zu verändern. Sie mussten kleiner und pflegeleichter werden. Durch diverse Züchtungen wurden Hunde kreiert, die den Wünschen der neuen Menschen entsprachen. Auf die Gesundheit der Hunde wurde allerdings weniger geachtet, Hauptsache die Optik entsprach den HundeliebhaberInnen.


Die Optik konnte der Mensch im Lauf der Evolution anpassen, nicht aber deren „Innenleben".


Bis heute sind unsere Hunde hervorragende Jäger, Wächter, oder Hüter.


Bis heute steht bei unseren Hunden eines an erster Stelle: ihr Überleben. Dazu gehört Futter und die Fortpflanzung der eigenen Art.


Im Grunde hätten Hund und Mensch dies wieder gemeinsam. Auch unser Denken und Handeln dreht sich ums Überleben: dem Essen und die Fortpflanzung der eigenen Art.


Doch wir wollen mehr, immer exotischeres Essen, mehr Kleidung, noch schönere Möbel, immer das neueste Auto und alle zwei Jahre das noch leistungsfähigere Handy. Diese Aufzählung könnte noch schier endlos weitergeführt werden.


Diesen Konsumwahn haben findige Geschäftsleute auch auf unser liebstes Haustier übertragen. Mittels Dauerberieselung wird uns eingeredet was Hunde so alles brauchen sollen: Spielzeug, Hundebetten, Hundekleidung, Kühlmatten, diverse Beschäftgungsprogramme, Hundebürsten, Hundezahnpaste und und und....


Statt Partner auf Augenhöhe haben wir unsere Hunde zum Ersatz gemacht, Ersatz für unsere sozialen Defizite, den wir als Preis für unsere „neue Welt" zahlen.


Heute ist es die Aufgabe unserer Hunde unsere Einsamkeit zu vertreiben, uns glücklich zu machen und unser bester Freund zu sein. 

Hunde sollen funktionieren wie all die Maschinen die wir erfunden haben. 


Übersehen wird dabei, dass Hunde dies nicht leisten können, dass wir unsere Hunde mit unseren Erwartungen und der Welt, in die wir sie hineinpressen, hoffnungslos überfordern. 


Doch dies passt nicht in unsere als modern bezeichnete neue Welt, in eine Welt in der für Andersartigkeit kein Platz ist. Wir verweigern uns hartnäckig vor der Tatsache, dass Hunde immer noch Jagdraubtiere und Beutegreifer sind. Wir sehen was wir sehen wollen: Kinderersatz, Partnerersatz, verständnisvoller Seelentröster und der menschlichen Sprache mächtig.


Unser größtes Bestreben war immer uns zu optimieren, unsere Lebensweise angenehmer zu machen und uns von anderen immer mehr abzuheben, von was auch immer! 


Dies haben wir auch auf unsere Hunde übertragen, wir wollen sie immer weiter optimieren und sie an unser Leben anpassen.


Hier machen wir den größten Fehler und produzieren selbst die sich immer mehr häufenden Problemen im Zusammenleben mit unseren Hunden:


Wir haben uns verändert, unsere Hunde aber nicht. Unsere Hunde sind im Grunde immer noch so einfach strukturiert wie immer. Die Verkomplizierung haben wir selbst verursacht - durch eine fehlgeleitete Sichtweise auf unsere Hunde., die uns von „Experten" aufgedrückt wurde und wird.


Statt so viel Zeit, Energie und auch Geld zu verschwenden um unsere Hunde zu verändern, sollten wir bei uns anfangen. Wir müssen uns fragen, warum wir Hunde lieben, sie aber nicht mit all dem was sie ausmacht, akzeptieren wollen.


Wir müssen uns fragen, ob wir uns nicht von viel zu viel Wissenschaft und Industrie in die Irre haben treiben lassen.


Im Zusammenleben von uns Menschen gilt, dass man andere nicht verändern kann sondern nur sich selbst.


Dies gilt auch für das Zusammenleben mit unseren Hunden. Die sich häufenden Probleme und auch steigenden Todesfälle durch Angriffe von Hunden sprechen eine deutliche Sprache, ebenso all die überfüllten Tierheime und Suchen nach einem neuen Zuhause. 

Unsere Sicht und unsere Erziehungsmethoden entsprechen immer seltener den natürlichen Bedürfnissen unserer Hunde.


Unsere Hunde müssen sich nicht ändern. Sie bringen alles mit was es für ein friedliches Zusammenleben mit uns Menschen braucht.


Wir müssen wieder lernen, unsere Hunde als Hunde zu sehen. Wir müssen lernen sie zu führen, sie zu verstehen und sie als das zu akzeptieren was sie sind.


Wir sind es die in die „Hundeschule" müssen!


Es ist abermals an der Zeit dass wir uns verändern, von jedem Trend hinterherhechelnden Mitläufern zu eigenständigen Führungspersönlichkeiten! Anstatt für jede Kleinigkeit irgendeinen Experten oder eine KI zu fragen, wäre es höchste Zeit, wieder zu lernen selber zu denken und sein Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. Wenn wir begreifen, dass wir selbst für uns verantwortlich Sind, anstatt anderen unser Leben anzuvertrauen, sind wir bereits einen großen Schritt weiter.


Erst wenn der Mensch sich ändert, ändern sich nicht nur unsere Hunde! Eine kleine Veränderung bei einem und in einem selbst, kann alles verändern. Es braucht nur ein wenig Mut, um die alten vorgegebenen Denkpfade zu verlassen...


All das Chaos um uns herum zeigt uns, dass es höchste Zeit ist, umzukehren!



©️Marion Höft



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