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(Grund)Kommandos - wie man an den Hunden vorbei trainiert


Hundetrainerin Marion Höft: (Grund)Kommandos

Bereits 400 vor Chr. wurde das erste Hundelehrbuch der Geschichte geschrieben. Dort ist zu lesen, dass man den Hunden knappe und eindeutige Befehle erteilen solle. Allerdings ist überliefert dass der Verfasser, der griechische Feldherr Xenophon, selbst an seiner Meinung gescheitert ist und sein Hund konsequent alle Befehle ignoriert hat. 

Bemerkenswert ist dass bereits dort angemahnt wurde, dass man das Wesen des Hundes und seine Bedürfnisse bei der Erziehung berücksichtigt muss.


Laut Duden ist der Begriff Kommando ein kurzer, militärisch festgelegter Befehl. Der Begriff ist seit dem Jahr 1600 im deutschen bezeugt.


Gleichzusetzen ist dieser Begriff mit Befehl und Gehorsam. Der Vorgesetzte befiehlt und die Rekruten müssen gehorchen, sofort und ohne Diskussion.


Beobachtet man manche Hundehalter und Hundehalterinnen, so kann man durchaus den Eindruck bekommen, sich auf einem Truppenübungsplatz zu befinden.


Es wird geschrien und kommandiert, allerdings mit einem Unterschied: während die Soldaten bei einem „Achtung" des Vorgesetzten stramm stehen, denkt Fiffi nicht daran bei einem lauten und knackigen „Sitz! sich hinzusetzen. Im Gegenteil, Fiffi schnüffelt rechts und links oder setzt seine Duftmarken an jedem Baum ab.


Manch ein/e Hundehalter/in denkt: mit einem Sack voller Leckerlies muss Befehl und Gehorsam funktionieren, verfressen ist Fiffi ja. Nachdem Fiffi aber nicht im Ansatz daran denkt, seinem Menschen auch nur eines Blickes zu würdigen, wird der Ton verschärft. HIERHER!!! schallt es aus dem Menschenmund und man fürchtet, dass die gesamte Nachbarschaft erscheint - außer Fiffi!


Fiffi fühlt sich nicht angesprochen und jagt lieber dem nächsten Hasen hinterher.

Das wohlriechende Leckerlie in der Hand jagt der Mensch hinter Fiffi her und schreit weiter: Fiffi hierher, hiiiieeeer! 


Hat der Mensch genug mit Fiffi geübt und damit die Sinnhaftigkeit der Befolgung eines Befehls mittels Bestechung beigebracht, ist schon die nächste Kuriosität zu beobachten:


Der Mensch kommandiert und Fiffi sitzt oder macht Platz wie es ihm der Mensch müßig antrainiert hat. Währenddessen schaut Fiffi erwartungsvoll auf seine Bezahlung, schnappt diese, steht auf und geht wieder seiner Wege. So verhält es sich auch bei allen anderen erteilten Kommandos. Der Befehl wird ausgeführt, die Bestechung kassiert um dann zu wuffen „ich bin dann mal weg"!


An diesem Verhalten zeigt sich, dass Kommandos immer nur situativ wirken aber keine Probleme lösen können. Man kann einem Hund nicht befehlen seinen Menschen zu vertrauen oder keine Angst mehr zu haben.


Kann sein dass Kommandos Sinn machen, wenn man sein Land verteidigen muss oder es an Souveränität mangelt. Welche „Nichtautorität" freut sich nicht, wenn andere auf Befehl Gehorsam zeigen. Ganze Konzerne wurden lange Zeit mit diesem System geführt. Einige Vorgesetzte haben so mit ihrer mangelnden Führungskompetenz eine ganze Belegschaft gegängelt.


Diese Befehl und die Gehorsam Mentalität wurde auch auf unsere Hunde übertragen, zu einer Zeit als man Führung noch nicht kannte. Dass es ganz andere Lebewesen sind, andere Bedürfnisse und Verhaltensweisen haben als wir Menschen, wurde dabei nicht berücksichtigt.


Im Gegenteil. Es wurde den Hundehaltern lange genug eingeredet, dass „Sitz, Platz und Bleib" jeder Hund beherrschen muss. Und so wurde der Begriff „Grundkommandos" kreiert. Über die Anzahl dieser s.g. Grundkommandos und welche es denn sein sollen, ist sich die Fachwelt allerdings nicht einig. Sucht man im Netz sind, je nach Meinung, 5 - 11 Grundkommandos zu finden. Bei dem einen sogar mehr, bei einem anderen sind es weniger.


Zwischenzeitlich hat der Mensch erkannt, dass man mit einem Miteinander weiter kommt, dass man als Team mehr erreichen kann und dass Mitarbeiter Menschen brauchen, die sie führen und motivieren.


Doch in Bezug auf unsere Hunde haben wir uns kaum weiterentwickelt. Noch immer benehmen wir uns wie in einem Kriegsgebiet und erteilen den Hunden, die der menschlichen Sprache nicht mächtig sind, lautstarke Kommandos. 


Unsere Hunde haben ein sehr feines Gehör, man sage nur mal leise das magische Wort „Gassi". Warum also Befehle im scharfen Ton schreien? Befehle mögen während einer militärischen Ausbildung oder auch in der Hundeausbildung Sinn machen, im Zusammenleben bringen diese uns kaum weiter. Vertrauen kann man nicht befehlen, weder leise noch laut. 


Ein Hund der seinen Menschen keines Blickes würdigt und beim Ertönen eines Kommandos seine Ohren auf Durchzug stellt, akzeptiert seinen Menschen nicht. Hunde orientieren sich an souveränen Persönlichkeiten, freiwillig und ohne dass ein Wort von Nöten ist. Man beobachte nur einmal Hunde untereinander. 


Diese Persönlichkeit stellt Regeln auf und setzt Grenzen, sie ist aus Hundesicht logisch und konsequent. Unsere Hunde spüren, wenn der Mensch Orientierung und Sicherheit ausstrahlt, die sie dringend brauchen.


Jeder von uns kann diese Persönlichkeit sein, wir haben sie alle in uns. Unsere Persönlichkeit werden wir aber nicht finden, wenn wir andere kommandieren oder dominieren. Diese innere Stärke können wir nur aus uns heraus arbeiten. Unsere Hunde können uns dabei helfen uns weiterzuentwickeln: von einem befehlenden Vorgesetzten zu einer Persönlichkeit die führt.


Bedenken wir, dass Hund nicht gleich Hund ist und jeder seine Stärken, Schwächen und auch Kompetenzen hat, kommen wir unseren Hunden bereits ein großes Stück näher. Dies ist die Grundlage für ein harmonisches Miteinander - aber „Erst wenn der Mensch sich ändert!" und wieder das wird, was er einmal war: eine Spezies, die alle Sinne beieinander hatte und wusste, wer und was er oder sie war - so wie unsere Hunde.


Solange wir aber unsere wertvolle Lebenszeit damit vergeuden, uns auf Nebensächlichkeiten zu konzentrieren um das Wesentliche nicht mehr wahrnehmen zu können, werden wir an unseren Hunden vorbei leben und aus Sicht unserer Hunde seltsame Wesen sein, die nicht mehr wissen, was sie eigentlich wollen und wer und was sie sind!


Haben wir wieder den Mut, zu uns zu stehen, unsere eigenen Entscheidungen zu treffen und nicht allem hinterherzulaufen, was gerade in Medien gehypt wird, können wir nicht nur zu uns finden, sondern auch wieder zu unseren Hunden, die uns zeigen, worauf es im Leben wirklich ankommt. Alles was dazu braucht ist ein wenig Mut, um aus dem Gefängnis der Manipulation auszubrechen. Unsere besten Freunde stehen bereit und reichen uns ihre helfende Pfote, um uns auf unseren Weg zum "gesunden Ich" zu begleiten.


Glück uns Heilung für unsere Seelen finden wir niemals im Außen sondern immer nur in uns selbst!



©️Marion Höft



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