Problematische Hunde oder gar Problemhunde?

Gerne werden Hunde mit solchen Einschätzungen belegt, die ihre Halter und auch ihre Umgebung an ihre Grenzen gebracht haben. Und doch lenken diese Bezeichnungen von der Ursache ab.
Diese Hunde sind ein Produkt ihrer Halter und so manche auch Opfer einer Gesellschaft, die ihre Mitte verloren hat und ihren Halt bei den Hunden sucht.
Hunde sollen trösten, bester Freund, Spielkamerad oder gar Partnerersatz sein. Immer häufiger werden Hunde für Kinder angeschafft, die mehr und mehr vor Konsolen und hinter Ängsten vereinsamen.
Dass Hunde dies nicht leisten können, sollte jedem noch klar denkenden Menschen einleuchten.
Noch dazu, wo sich kaum noch für die wahren Bedürfnisse und vor allem die Kommunikation der Hunde interessiert wird. Warum auch möchte man meinen, wo doch mittlerweile die Benutzung einiger Emojis auszureichen scheint, um irgendetwas mitzuteilen.
Wer einen Hund als „Problemhund" bezeichnet, bedient ein Narrativ, dass die Verantwortung weit weg schiebt und die Ursache nicht anspricht.
Mittlerweile wird selbst die Kommunikation der Hunde wie Knurren, Bellen oder ein eindringlicher Blick als Aggression eingestuft und die Hunde werden von Kommandos Hilfe zu Kommandoschule geschleift, um ihnen ihre natürliche Kommunikation abzukonditionieren.
Vor allem die zunehmend aus dem Lot geratenen Hunde sind ein Produkt einer menschengemachten Welt, in der Hunde zwar gewollt aber nicht berücksichtigt werden. Eine Welt, in der viele Menschen nicht mehr mit selbst zurechtkommen und ihre Unzufriedenheit auf die Hunde projezieren.
Es ist eine Welt, die Stille nicht mehr zulässt und in der Individualität nicht mehr erwünscht ist. Alle sollen gleich sein, gleich funktionieren und die Mode sagt uns, dass wir alle auch gleich aussehen sollen.
Viele Menschen lassen das mit sich machen, Hunde aber wehren sich. Sie sind was sie sind und lassen sich nicht verbiegen.
Hunde halten uns den Spiegel vor. Daran sollte man denken, bevor man einen Hund als problematisch bezeichnet.
Bevor man mit dem Training besonders der aus dem Lot geratenen sog. Problemhunde beginnt sollte man lernen, ihre Stille zu hören und ihre Energie zu spüren. Dies aber scheuen viele Menschen, aus Angst vor sich selbst.
Problemhunde gibt es nicht. Was es aber gibt sind Menschen, die mit dem ursprünglichen Wesen Hund nicht mehr zurechtkommen, weil sie ihren inneren Kompass verloren haben.





