Marion Höft  
Hundetrainerin und Problemhundtherapeutin
Hundeschule - Hundetraining - Seminare und Coaching fuer Mensch und Hund

Ich berate Menschen und trainiere Hunde

Blog Pfote today

Wenn das Leben aus den Fugen gerät

Gepostet am 23. April 2020 um 4:00

Fast über Nacht war nichts mehr wie es war. Ausgangsbeschränkungen, Kontaktverbote, Schulschließungen und Betriebsschließungen haben uns aus unserem Alltag gerissen.

 

Anfangs waren viele über eine noch nie erlebte Entschleunigung erfreut. Doch mit Andauern der Ausnahmesituation nimmt auch der Frust zu. Die Enge in den Wohnungen, die strengen Regeln draußen und angestaute Energien fordern zunehmend ihren Tribut. Vermehrt hören wir Berichte über zunehmende Gewalt in den Familien, auch gegenüber Kindern. Hilfe bekommen sie derzeit nicht.

 

Viele Menschen sind in Kurzarbeit und immer mehr verlieren ihre Arbeit. Auch Selbständige sind hart getroffen. Immer mehr müssen schließen und ihre Zukunft ist ungewiss. Die Sorge und auch Verunsicherung wächst spürbar.

 

Diese Unsicherheit und auch der Frust vieler Menschen geht auch an den Hunden nicht spurlos vorbei. Ich bekomme viele Anrufe, weil Hunde zunehmend aggressiv werden. Manche Menschen haben eine Lösung gefunden, indem sie ihre Hunde aus der angespannten Situation nehmen und bei Freunden oder Familie unterbringen können. Dort waren auch die Verhaltensauffälligkeiten „über Nacht“ verschwunden.

 

Wir haben unsere Hunde technisiert, kategorisiert und ihr Verhalten analysiert. Bei all diesen äußerlichen Beobachtungen wird immer noch viel zu wenig berücksichtigt, wie feinfühlig Hunde sind, wie sehr sie auf unsere innere Haltung reagieren.

 

Sind wir aus dem Lot, aus unserer Mitte gerissen, spüren unsere Hunde dies sofort und reagieren entsprechend. Auch das was wir Fehlverhalten nennen, ist nichts anderes als Kommunikation. Ändert ein Hund sein Verhalten ist dies lediglich eine Wirkung, deren Ursache nicht beim Hund liegt.

 

Was also tun? Besonders in schwierigen Zeiten sollten wir auf unsere Hunde achten. Werden sie für uns zunehmend problematisch, gilt es zuerst sich selbst zu hinterfragen. Was ist los, was stimmt mit mir nicht? Es kann schon helfen, in solchen Situationen mit dem Hund rauszugehen um gemeinsam mit ihm den Kopf wieder frei zu bekommen. Abschalten und mit seinem Hund im Hier und Jetzt leben. Bei all den momentanen Sorgen ist es für viele Menschen nicht leicht, aber genau das braucht man. Einfach mal alles hinter sich lassen und dadurch neue Kräfte sammeln. Mag das Loslassen am Anfang noch schwer fallen, wird es von Mal zu Mal leichter fallen. Wie sagt man im Hundetraining? Üben, üben und nochmal üben.

 

Wird der Hund zunehmend aggressiv, kann ich nur dringend zu einem Maulkorb raten. Hunde können viel ertragen und auch aushalten. Doch auch bei ihnen wird sich der Frust früher oder später entladen. Wir erleben es immer wieder.

 

Vielleicht haben Sie auch die Möglichkeit, Freunde oder Familienmitglieder um Unterstützung zu bitten, damit Sie und Ihr Hund zur Ruhe kommen können. Eine Auszeit von einander kann manchmal Wunder bewirken und neues Vertrauen aufbauen.

 

Wenn Hunde problematisch werden, reichen sie uns im Grunde ihre helfende Pfote. Sie zeigen uns, dass wir mit uns und unserem Leben nicht im Reinen sind. Nehmen wir diese helfende Pfote an, kann unser Hund ein ausgleichender Wegweiser sein, um Krisen auch als Herausforderung zu sehen und miteinander wachsen zu können. Dazu braucht es nicht viel. Man muss nur seinen Blickwinkel ändern.

 

Es wird für uns alle weitergehen, so oder so. Dies sollten wir niemals vergessen und unseren Blick nach vorne richten. Verlieren wir diesen Blick sind da zwei Augen die uns sagen, ich helfe dir aber...

 

„Erst wenn der Mensch sich ändert“!

 

Bleiben Sie und Ihre Lieben gesund und vor allem zuversichtlich. In uns allen schlummert mehr, als wir ahnen.

 

Eure/Ihre

©️Marion Höft


 

 

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