Marion Höft  
Hundetrainerin und Problemhundtherapeutin
Hundeschule - Hundetraining - Seminare und Coaching fuer Mensch und Hund

Ich berate Menschen und trainiere Hunde

Blog Pfote today

Trainieren um jeden Preis?

Gepostet am 25. März 2020 um 4:00

Die derzeitige Situation stellt viele Menschen vor ungeahnte Herausforderungen. Viele kämpfen derzeit um ihre Existenz und viele haben sie bereits verloren. Das gilt auch für uns Hundetrainer*innen. Aufgrund der derzeitigen Bestimmungen ist uns eine Ausübung unseres Berufs so gut wie unmöglich und so manche bitten bereits um Spenden.

 

Vermehrt setzen Hundetrainer*innen nun auf Onlinetrainings, damit sie über die Runden kommen können. Auch ich habe viele besorgte Nachfragen von Kunden und Freunden bekommen mit der Empfehlung, aufgrund dieser Situation mich diesem Trend anzuschließen.

 

Ich gebe zu, dass der Gedanke zunächst verlockend war. Auch ich habe laufende Ausgaben, die trotz allem pünktlich bezahlt werden müssen.

 

Im Lauf meines Lebens habe ich gelernt, mir immer selbst treu zu bleiben und meinen Weg zu gehen. Hunde haben mich gelehrt, dass Authentizität durch nichts zu ersetzen ist, schon gar nicht durch Geld.

 

Nicht von ungefähr habe ich für mein Buch den Titel „Erst wenn der Mensch sich ändert!“ gewählt. Wer mit Lebewesen arbeitet weiß, dass Beziehungen niemals eine Einbahnstraße sind und es immer um Ursache und Wirkung geht. Auch wenn die digitale Welt uns so manche Vorzüge bringt, findet das wahre Leben immer noch analog statt, besonders für unsere Hunde. Ihnen ist mit einem Video, einer Ferndiagnose oder gar einer Methode nicht geholfen. Um mit Hunden klarkommen zu können, muss man ihnen in ihrer Welt begegnen, mit ihnen in ihrer Sprache kommunizieren und sie dort abholen, wo sie mit ihren Konflikten allein gelassen wurden.

 

Kommt es zu Problemen in der Mensch und Hund Beziehung bringt es langfristig nichts, den Hunden Kommandos zu erteilen, damit sie ihr sichtbares Verhalten ändern. Ich erlebe es immer wieder. Fast alle Hunde, mit denen ich im Lauf meiner Tätigkeit zu tun hatte, beherrschten die s.g. Grundkommandos nahezu perfekt, ihre Menschen aber haben die Hunde trotzdem nicht ernstgenommen und teilweise auch schwer verletzt.

 

Das „Warum“ ist schnell erklärt. Bei vielen Trainings wird lediglich versucht, die Symptome des „Problemverhaltens“ in den Griff zu bekommen, die Ursache aber bleibt unberücksichtigt und sucht sich über kurz oder lang ihren Ausweg. Wir nennen es anschließend Leinenaggression, Futteraggression oder allgemein Aggression.

 

Stimmt die Beziehung von Mensch und Hund, kann darauf aufgebaut und die Hunde trainiert und ausgebildet werden. Meine Arbeit aber ist, Mensch und Hund ein stressfreies Zusammenleben zu ermöglichen. Kommandos braucht es dazu nicht, aber eine klare Führung. Dazu aber müssen sich auch die Menschen ändern, so manches alte Verhalten ablegen und eine neue Haltung lernen.

Ginge dies aus der Ferne, wäre es mit Sicherheit längst erfunden worden. Webinare, Onlinetraining oder auch Bücher können nur Grundlagen in der Theorie vermitteln. Bei der praktischen Umsetzung im Alltag der jeweiligen Methoden oder Anleitungen sind die Menschen sich selbst überlassen und Fehler vorprogrammiert. Denn eines wird dabei vollkommen übersehen: Mensch ist nicht gleich Mensch und Hund nicht gleich Hund.

 

Wir erleben gerade, wie wichtig besonders in schwierigen Zeiten Führung ist. Sie gibt Orientierung und Sicherheit in unsicheren Zeiten. Dies kann auch auf unsere Hunde übertragen werden. Meine Arbeit ist, die Menschen darin zu unterstützen, wieder an sich, ihre Fähigkeiten und vor allem an ihre Hunde zu glauben. Diesen Weg werde ich auch in dieser herausfordernden Zeit treu bleiben. Wenn ich mich jetzt verbiege, würde ich das wertvollste was ich habe verlieren: meine Authentizität und meine Glaubwürdigkeit, auch gegenüber den Hunden. Dieser Preis ist mir zu hoch.

 

Meinen Kunden stehe ich auch weiterhin mit Rat zur Seite so gut es geht. Aufgrund einer stets intensiven Zusammenarbeit habe ich die Menschen und ihre Hunde kennengelernt und kann daher den ein oder anderen Rat aus der Ferne geben, damit wir diese Zeit überbrücken können.

 

Hoffen wir, dass nach all den vollmundigen Ankündigungen nun endlich schnell und unbürokratisch Taten folgen und alle die Hilfen bekommen, die sie zum Überleben brauchen. Dies wäre ein erster aber wichtiger Schritt, damit sich die zunehmende Unsicherheit und auch Angst so vieler Menschen wieder legen kann, und wir alle den Kopf wieder frei bekommen und zuversichtlich nach vorne blicken können.

 

Machen wir es so, wie es uns die Hunde vorleben:

 

Hadern wir nicht mit dem was war. Wir können es nicht mehr ändern, aber daraus lernen.

Fürchten wir uns nicht vor dem was kommen mag. Wir wissen es nicht.

Leben wir trotz aller derzeitigen Sorgen so oft wie möglich im Hier und Jetzt und schalten ab. Häufig sind es die vielen kleinen Augenblicke, die das Leben so lebenswert machen. Dies gilt besonders in Krisenzeiten.

 

Gebt gut auf Euch acht und bitte macht mit Euren Hunden nicht irgendetwas, nur um irgendetwas zu tun. Hunde können sich auch Ausnahmesituationen sehr gut anpassen und werden nicht in eine tiefe Depression fallen, wenn sie nicht stundenlang ausgelastet werden. Besonders jetzt kann weniger so viel mehr sein und die Bindung zwischen Mensch und Hund stärken.

 

Bleibt gesund und optimistisch. Es wird für uns alle weitergehen und vergessen wir nicht, dass man aus Krisen auch gestärkt hervorgehen kann.

 

Das geht aber „Erst wenn der Mensch sich ändert!“

 

PS: Über eine Unterstützung aber würde ich mich sehr freuen. Wenn Euch mein Buch gefallen hat, schreibt mir bitte eine Rezension beim großen A.... und empfehlt es bitte weiter. Applaus ist bekanntlich das Brot des Künstlers. Vielen Dank!

 

Eure/Ihre

©️Marion Höft

 

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