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Trainings- und Erziehungsmethoden: Für die Menschen gemacht aber nicht an die Hunde gedacht!


Hundetrainerin Marion Hoeft und ihre Hunde
Hundetrainerin Marion Höft: Trainings- und Erziehungsmethoden: Für die Menschen gemacht aber nicht an die Hunde gedacht


Methoden, um Hunde in die Spur zu bekommen, gibt es mittlerweile viele und ein Ende des Erfindungsreichtums der zunehmenden "Experten" für was auch immer scheint nicht in Sicht.


Die Wissenschaft überholt sich mittlerweile selbst mit ihren neuesten Erkenntnissen, die sie selber nach kurzer Zeit für obsolet erklärt. "Wir lernen ständig dazu" geben sie uns als Erklärung an die Hand und die Menschen bleiben fragend zurück. Was gestern noch richtig war, soll heute falsch sein?"


Blicken wir in die Welt der "Experten" können deren Empfehlungen kaum unterschiedlicher sein: Ablenkung, Umlenkung. operante oder klassische Konditionierung, positive und negative Bestrafung bis hin zu Dominanz und Unterwerfung. Hinzu kommt noch die Empfehlung des Einsatzes der verschiedensten Hilfsmittel, die eine erfindungsreiche und geschäftstüchtige Industrie für uns erfunden hat wie Klicker, Leckerchen in allen Geschmacksrichtungen, Haltis, Wurfdisc, Wasser- und Klapperflaschen oder auch ein unkontrolliertes Geschubse der Hunde, sobald dieser nicht den Erwartungen seines Menschen entspricht.

All diese Empfehlungen haben eines gemeinsam. Sie versprechen die gewünschte Problemlösung und einen gehorsamen Hund innerhalb kürzester Zeit.


Mit all diesen sich stets ändernden "neuesten Erkenntnissen" hat man viele Menschen mehr und mehr verunsichert und viele saugen die Versprechungen gerne auf. Scheinen diese doch die lang ersehnte Bedienungsanleitung zu liefern, an der der Mensch sich orientieren kann und nur nicht selbst entscheiden muss.


Trotz alledem bleibt der schnelle Erfolg meist aus. Das problematische Verhalten des Hundes bessert sich meist nur kurzfristig und schnell zeigt er wieder das alte Verhalten, nicht selten sogar verstärkt.


Bei all diesen Anleitungen werden die Hunde übersehen, ihre Bedürfnisse und vor allem ihre Sensibilität. Hunde reagieren enorm nicht nur auf die Stimmungen und Energien ihrer Menschen. Was die Energien unsrer Umwelt betrifft beachte man, dass viele Hunde bereits viele Stunden vor einem heraufziehenden Gewitter nervös werden, weil sie die sich ändernden Energien wahrnehmen.

Hunde erkennen eine versteckte Wut, eine überdeckte Verunsicherung oder auch eine psychische oder körperliche Erkrankung ihres Menschen und reagieren entsprechend.


Doch anstatt den Menschen zu ergründen, wird jegliches, nicht den menschlichen Vorstellungen entsprechende, Verhalten den Hunden zugeordnet. Sehen wir uns in der Welt der Hundeliebhaber in den sozialen Medien um, ist das Bild mehr als erschreckend. Wir finden unzählige Fragen, wie man welches Fehlverhalten des Hundes abstellen kann. Die Antworten kommen im Sekundentakt und jeder empfiehlt etwas anderes. Die Frage aber, warum sich die verhalten wie sie sich verhalten, bleibt meist aus.


Solange der Mensch meint, dass das natürliche Verhalten seines Hundes ein Fehl- oder Problemverhalten ist, haben unsere Hunde kaum eine wirkliche Chance bei uns Menschen bestehen zu können. Solange lediglich die Symptome abtrainiert werden sollen, die Ursachen aber nicht interessieren, werden die Suchen nach einem neuen Zuhause weiter zunehmen und die Zahl der Tierheiminsassen weiter steigen. Nicht umsonst haben die ersten Tierheime bereits Aufnahmestopps verhängt. Sie sind übervoll, nicht nur mit sog. Coroma-Hunden.


Egal welches Verhalten wir als Problemverhalten bezeichnen, aus Sicht der Hunde ist es ganz normales Verhalten. Sie haben kein Problem, wenn sie bellen oder auf die Jagd gehen. Sie haben kein Problem, wenn sie Haus und Hof bewachen oder Besucher knurrend am Betreten der Wohnung hindern. Und sie haben auch kein Problem, wenn sie letztendlich zubeißen, weil der Mensch all ihre Warnungen übersehen hat.


Machen wir uns bewusst, dass wir es sind, die Hunde nicht mehr verstehen. Der Mensch ist es, der mit dem natürlichen Verhalten nicht mehr zurechtkommt und sich aufgrund der vielen Ratschläge und Meinungen von dem Wesen seines besten Freundes meilenweit entfernt hat. Beschäftigen wir uns wieder mehr mit dem wunderbaren Wesen Hund, mit seinen Fähigkeiten, Besonderheiten und seinen wahren Bedürfnissen erkennen wir, dass die Welt der Hunde bei weitem nicht so kompliziert ist, wie so manche es uns einreden wollen.


Auch wenn all diese angepriesenen Methoden den Menschen Halt und Orientierung geben sollen, um mit den Hunden zurechtkommen zu können, werden viele am Ende doch scheitern, spätestens wenn der Clicker vergessen oder die Wasserflasche geleert ist.


In der Welt der Hunde gibt es dieses ganze von "Experten" erfundene Gedöns nicht, und doch kommen sie zurecht. Was sie brauchen, sind Menschen, die sie führen, die ihnen eine Struktur geben und ihnen zeigen, wie sie sich in einer für sie fremden und unnatürlichen Welt richtig verhalten. Sie brauchen Menschen, die sie in ihren Schwächen unterstürzen, ihre Stärken fördern und auch die Kompetenzen ihres Hundes erkennen.


Hunde brauchen Menschen, die bereit sind sich auf das Abenteuer Hund einzulassen und an sich zu arbeiten sowie das ein oder andere an und in sich zu ändern.


Was Hunde nicht brauchen, sind Trainer oder Oberbefehlshaber. Sie brauchen (Führungs)Persönlichkeiten die Regeln aufstellen, Grenzen setzen und ihnen ein verlässlicher Partner sind.


Lassen wir all diese Methoden weg und nutzen wir stattdessen diese Zeit, um unsere Hunde zu beobachten und von ihnen wieder Hund zu lernen. Dann erkennen wir, dass weniger meist so viel mehr sein kann. Haben wir wieder Vertrauen in uns und in unsere Hunde und lassen wir uns nicht von Fremden einreden, was wir oder auch unser Hund zu tun oder zu lassen hat. Und schon gar nicht wissen Außenstehende, was uns und auch unsere Hunde glücklich macht. Dies können wir nur in uns finden.


Lassen wir uns nicht weiter verunsichern und uns in die Irre leiten. Denn eines übernehmen all die "Experten" nicht für uns: die Verantwortung. Hören wir wieder auf unser Bauchgefühl und nutzen wir unseren gesunden Menschenverstand. Achten wir mehr auf die innere Haltung bei uns und unseren Hunden, sind wir auf einem guten Weg. um unseren Hunden auf Augenhöhe begegnen zu können.


Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen, uns mit weiteren neuesten Erkenntnissen vom wahren Hund ablenken lassen oder weitere Methoden ausprobieren. Am Ende steht doch die Erkenntnis, dass es der Mensch ist, der sich ändern muss!


Ein Hinweis ganz zum Schluss: Hunde können Sitzen und Liegen, ganz von allein und ohne Befehl.


©Marion Höft


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