Marion Höft  
Hundetrainerin und Problemhundtherapeutin
Hundeschule - Hundetraining - Seminare und Coaching fuer Mensch und Hund

Ich berate Menschen und trainiere Hunde

Blog Pfote today

Danke Elli!

Gepostet am 2. Februar 2021 um 7:55

Wenn Hunde älter werden, können wir einige Veränderungen feststellen. Ihr Gang wird langsamer, die Aufmerksamkeit verringert sich und auch die einstigen so scharfen Sinne lassen allmählich nach. Auch die äußerlichen Veränderungen kann man irgendwann nicht mehr leugnen, das Fell wird grau und der Blick müde.

 

Hinzu kommen körperliche Einschränkungen, der Körper baut ab und die Muskeln verlieren ihre Kraft. Bei vielen Hunden tritt eine Inkontinenz auf, die einige Menschen an ihre Grenzen bringt. Der teure Teppichboden wird ruiniert und so manche Urinpfütze sprengt den Holzboden. Viele Tierärzte berichten, dass so manche Hundehalter*innen das einstige Familienmitglied gerne „erlösen“ möchten. Man muss sich fragen, von was?

 

Beobachten wir unsere alt gewordenen Freunde können wir feststellen, dass sie eventuell nicht mehr die fittesten aber doch die weisesten Hunde sind, sie sparen sich ihre Energien für die wichtigen Dinge auf. Sie nehmen nicht mehr jede Herausforderung an, sondern gehen Konflikten vermehrt aus dem Weg. Sportliche Aktivitäten stehen nicht mehr auf der Tagesordnung, lieber wird ausgiebig geruht um Ressourcen zu schonen.

 

Gassi gehen ist immer noch eine große Sache, nur nicht mehr so weit und es wird mehr geschnüffelt, wenn der Körper neue Kräfte sammeln muss. Haben alte Hunde keine Freude mehr am Leben, leiden sie an ihrer Inkontinenz oder ihren nachlassenden Kräften? Sicher nicht. Sie leben und das immer noch gerne, nur eben anders. Ruhiger, gelassener und entspannter.

 

Für uns Menschen kann ein weiser Hund eine Chance sein. Die Chance aus seinem hektischen Alltag zwischendrin mal auszusteigen und innezuhalten, um gemeinsam mit seinem ergrauten Hund den Moment zu genießen.

 

Sie sind die Chance für uns, sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen und an den kleinen Dingen freuen zu können. Sie zeigen uns, dass es zum Leben nicht viel braucht, dass man Zufriedenheit nur in sich selbst finden kann, indem man akzeptiert was ist und Frieden schließt mit dem was war.

 

Auf dem Foto ist meine Elli zu sehen, Alter unbekannt. Elli hat mich lange Zeit in meiner Arbeit unterstützt, sie war die beste Assistenzhündin die ich mir vorstellen konnte. So manchen ungehobelten Rüpel hat sie mit ihrer klaren Kommunikation in die Schranken gewiesen und vielen Menschen gelehrt, wie Hunde kommunizieren. Klar, eindeutig und manchmal auch kompromisslos.

 

Das Alter ist Elli nun deutlich anzusehen. Sie baut merklich ab und die Inkontinenz macht auch vor ihr nicht halt. Sie hat kein Problem damit und wir auch nicht. Die Teppiche haben wir entsorgt und die Pfützen wischen wir weg.

 

Sie darf das, was viele Menschen nicht mehr können: in Würde alt werden, alt sein und jeden Tag so verbringen, wie sie es möchte - in aller Ruhe. Ohne Hektik oder Stress, mit gutem Futter und viel Streicheleinheiten. Regelmäßig besuchen wir unsere Tierärztin, damit sie auch medizinisch gut betreut durch das Alter begleitet wird.

 

Elli war ein guter Lehrmeister. Eine Hündin die kein Problem hat, dass so manches nicht mehr so gut funktioniert. Sie lebt im Hier und Jetzt, akzeptiert sich wie sie ist und geht ihren Weg so, wie sie ihn gehen muss - klar, eindeutig und manchmal auch kompromisslos. Das ist ihr Weg. Der Weg einer Herdenschutzhündin, die das Überleben viele Jahre in einem Canile gelernt hat.

 

Elli ist nicht alt, Elli ist weise!

 

Diesen Artikel habe ich im Frühjahr 2019 meiner Elli gewidmet.

 

Doch auch Elli hat die Lebensenergie verlassen und wir mussten den Weg des Abschiednehmens beschreiten und sie über die Regenbogenbrücke gehen lassen.

 

Elli hat mich mehr gelehrt, als alle Bücher oder Experten zusammen es jemals könnten und dafür bin ich unendlich dankbar. Sie hat mich gelehrt, dass Hunde nicht erzogen sondern geführt werden wollen und dass es nicht viel mehr als Achtsamkeit und Respekt gegenüber der Einzigartigkeit eines jeden Wesens für ein gemeinsamen Glück braucht.

 

Ich wünschte dass viele Menschen ihren Blickwinkel ändern und erkennen, dass Hunde die großartigsten Lehrmeister sein können. Dazu braucht es nur ein wenig Mut. Mut, sich aus alten Schablonen zu lösen und seinen eigenen Weg zu gehen.

 

Danke Elli für alles, was du mir gegeben hast! Erzogen habe ich dich nie und doch, oder gerade deswegen, warst du MEIN „Hundetrainer“!

 

Auch wenn wir Angst vor dem Sterben haben, sollten wir niemals vergessen wie schön das Leben ist - auch das lehren uns unsere Hunde.

 

Glück ist eine Entscheidung - Angst aber auch!

 

R.I.P. Elli

 

©️Marion Höft


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