Marion Höft  
Hundetrainerin und Problemhundtherapeutin
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Was Hunde wirklich brauchen...?

Gepostet am 3. März 2020 um 3:00

Jetzt habe ich es schriftlich: ich bin eine Tierquälerin!

 

Vor einigen Tagen habe ich einen Post gelesen, der mir sehr zu denken gab. Dort wurde aufgezählt, was alles in unserem Umgang mit Hunden dem Sinne des Tierschutzgesetzes widerspricht.

Unter einigen durchaus richtigen Aspekten wie Schläge oder Stachelhalsbänder, habe ich dann doch auch mich gefunden.

Die Verfasserin vertritt ernsthaft die Auffassung dass es unter Tierquälerei fällt, wenn man seine Hunde nicht auf die Couch oder ins Bett lässt. Die absolute Tierquälerei aber ist aus ihrer Sicht, wenn man bestimmt, wann ein Hund das darf und wann nicht.

Oh weh oh wei, was tue ich nur meinen "Stofftieren an"? Sie dürfen nur manchmal auf die Couch, aber ich gelobe Besserung. Denn meinen „Babies“ soll es an nichts mangeln.

Ab sofort dürfen es sich alle meine 5 Hunde auf der Couch bequem machen wann immer sie wollen. Ich trete gerne zurück. Es stehen hier einige Hundebetten, in die ich mich schon irgendwie reinquetschen kann.

Dass ich Herdenschutzhunde habe, die gerne Ressourcen verteidigen, nehme ich so hin. Die machen es dann schon unter sich aus.

Durch diesen Beitrag habe ich nun endlich gelernt, dass die Seele unserer Hunde schweren Schaden nimmt, wenn man ihnen Grenzen setzt und auch mal ein Verbot ausspricht. Das möchte ich sicher nicht.

Meine Nächte werde ich natürlich auch umgestalten, damit meine Hunde auch schön weich gebettet süße Träume haben. Wenn die Hunde die Nacht in meinem Bett verbringen, steht für mich ja wieder die Couch zur Verfügung. Ich kann nur hoffen, dass meine Hunde nicht unter Stress geraten, wenn ich Nachts die Couch besetze. Nichts, aber auch nichts soll meine fünf Hunde in ihrer Mitte stören.

Ein weiterer aufgeführter Punkt aber hat mich tief betroffen gemacht. Die Dame meint dass es Tierquälerei ist, wenn man seinem Hund kein Spielzeug zur freien Verfügung 24 Stunden am Tag überlässt. Oh je, wir haben gar kein Spielzeug. Es muss an ein Wunder grenzen, dass meine Hunde noch leben. Gleich morgen werde ich die Tierfachgeschäfte stürmen und meine ganzen Ersparnisse in das Wohl meiner Hunde investieren und all dieses Plastikzeug shoppen. Ich gebe zu, dass mir nicht bewusst war, wie wichtig vom Menschen erfundenes buntes Spielzeug, meist aus fernen Ländern, für Hunde ist. Dass diese größtenteils mit Chemikalien und Weichmachern behandelt wurden und meine Hunde dies über die Schleimhäute aufnehmen, blende ich aus. Glücklich sollen sie sein um jeden Preis.

Die Verfasserin hat sich weiter darüber echauffiert, dass Hunde furchtbar leiden, wenn man sie nicht überall ihr Geschäft verrichten lässt. Also liebe Mitmenschen, denkt bitte an das Wohl der Hunde, wenn sie eure Hauswand markieren. Es sind schließlich Hunde und dieses Verhalten dient ihrer freien Entfaltung und ihrem Wohlbefinden.

Ein Halsband ist aus Sicht der Dame aber der Inbegriff der Tierquälerei. Sie schreibt von Strangulation und enormen Stress. Ich kenne viele Hunde, die an einem Geschirr nicht zu bremsen sind, aber mit der Leine am Halsband durchaus entspannen können. Und was ist mit all den vielen Hunden die gelernt haben, ihren Menschen an der lockeren Leine zu folgen? Das muss ich wohl geträumt haben.

Ich bin wirklich sehr froh und dankbar, dass ich über diesen besonderen Beitrag gestolpert bin. Er hat mir wieder vor Augen geführt, was Hunde wirklich brauchen.

Die wichtigste Erkenntnis aber für mich ist, dass alle Hunde doch gleich sind. Dass Hund gleich Hund ist und dass es andere, schwierige oder charakterstarke Hunde nicht gibt. Rassetypische Veranlagungen, Aggressionen oder auch Unsicherheiten sind eine freie Erfindung von Möchtegernhundetrainern, von denen man dringend abraten muss.

Ich entschuldige mich bei meinen Hunden für all die Qualen, die sie erleiden mussten. Ab sofort bekommen sie grenzenlose Freiheit, damit sie sich verwirklichen und endlich Hund sein können. Dass unter meinen Hunden ehemalige Beißer sind, lasse ich dabei außer acht - es könnte ansonsten tierschutzrelevant sein..

 

Was Hunde wirklich brauchen können wir nur vermuten oder interpretieren. Ein verwehrter Platz auf einer Couch oder mangelndes Spielzeug wird sie sich nicht in eine tiefe Depression stürzen.

Eher aber die hartnäckige Verweigerung vieler Menschen ihren Hunden das zu geben was sie brauchen, um sich in einer für sie fremden Welt zurechtfinden zu können: Orientierung und Sicherheit durch eine souveräne Führung.

Viele Hunde sind „pflegeleicht“, viele aber nicht. Wenn man seine Augen weiterhin vor dieser Wahrheit verschließt, wird das wahre Leid vieler Hunde weitergehen!

 

©️Problemhundtherapie Marion Höft

 

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