Marion Höft  
Hundetrainerin und Problemhundtherapeutin
Hundeschule - Hundetraining - Seminare und Coaching fuer Mensch und Hund

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Blog Pfote today

Pongo

Gepostet am 20. Januar 2020 um 14:25

Die lange Reise eines ehemaligen Straßenhundes

Als ich Pongo kennengelernt habe, bestand sein Leben aus Angst. Angst vor Geräuschen, vor Radio und Fernseher, vor der Dunkelheit aber vor allem vor Männer. Diese hatte er bereits mehrfach gebissen. Große Probleme hatte seinen Menschen auch der Herdenschutzhund in ihm bereitet. Er hat seine Menschen und alles was zu ihnen gehört bewacht, beschützt und auch durch Angriffe verteidigt. Kam Essen ins Spiel, wurde Pongo unberechenbar. Selbst wenn die Menschen für sich Essen zubereitet haben, griff er sie an.

 

Nachdem klar war, dass die Probleme für seine Besitzer zu groß wurden und seine Zukunft ungewiss war, habe ich Pongo im Sommer 2018 zu mir genommen. Schnell zeigte er auch bei mir, dass er keinen Spaß versteht, wenn Futter im Spiel ist.

 

Damit Pongo lernen kann, habe ich sofort alle fünf Hunde zusammen gefüttert. Da ich bereits eine Herdenschutzhündin bei mir aufgenommen habe, die aufgrund einer „Futteraggression“ abgegeben wurde, gibt es während der Fütterung klare Regeln und Grenzen. Eine Regel für alle Hunde ist, dass die anderen Näpfe für sie tabu sind, bis ich diese frei gebe. Pongo, der offensichtlich keine Regeln kannte, wollte gleich am ersten Tag auf meine schwächste Hündin Maya losgehen, um an ihr Futter zu gelangen. Diesen Angriff konnte ich rechtzeitig stoppen. Dass ihn ein Mensch in seine Schranken weist, hat Pongo tief beeindruckt. Seitdem ist es zu keinen Angriffen mehr gekommen und er lässt auch Maya in Ruhe fressen.

 

Seine Ängste hat er weitestgehend abgelegt. Läuft das Radio oder der Fernseher, flüchtet er nicht mehr und auch während der Dunkelheit geht er raus. Mittlerweile hat er seinen Platz in meiner Familie gefunden und schläft nach einem tiefen Seufzer seelenruhig in seinem Bett. Bei Geräuschen reagiert er manchmal noch unsicher, doch auch hier hat sich sein Verhalten deutlich gebessert.

Und Männer? Seine besten Freunde werden sie wohl nicht aber er hat gelernt, dass man deren Anwesenheit ertragen kann. Allerdings bekommen auch männliche Besucher klare Regeln an die Hand, es sind die drei NA‘s: nicht anschauen, nicht ansprechen und nicht anfassen. Vor allem aber müssen sie seine enorme Individualdistanz achten.

Durch diese rücksichtsvolle Annäherung sucht Pongo mittlerweile sogar die Nähe der männlichen Eindringlinge, um sie zu beschnuppern. Auch wenn er große Fortschritte gemacht hat und es zu keinen Aggressionen mehr gekommen ist, bleibe ich dennoch in der Nähe, da Pongo sich sehr an mir orientiert und meine Präsenz ihm Sicherheit gibt. Ohne diese Sicherheit käme seine Unsicherheit Männern gegenüber wieder hervor. Hier gehe ich kein Risiko ein, denn über den Berg ist er noch lange nicht. Seine Haltung spricht eine deutliche Sprache.

Geblieben ist seine „Sehnsucht“ nach Freiheit. Auch wenn er bei mir ein großes Gelände hat, auf dem er sich frei bewegen kann, bleibt für diesen ehemaligen Straßenhund ein Zaun ein Zaun. Gerne hält er sich am Tor auf und hält seine Nase in den Wind. Dann ist er wieder Pongo der Straßenhund, dessen Rettung Mensch und Hund gleichermaßen überfordert hat.

Manche Dinge bleiben und Pongo wird immer ein „besonderer“ Hund sein - mit Ecken und Kanten aber dennoch liebenswert. Dies auch oder weil mehrfach empfohlen wurde, diesen aggressiven Hund einschläfern zu lassen.


Sein Schicksal hätte besiegelt werden sollen weil nur gesehen wurde, was er alles falsch gemacht hat. Übersehen wurde die Ursache für seine Aggressionen - seine große Unsicherheit!

Pongo hat viel gelernt. Vor allem dass es Menschen gibt, denen er sich anvertrauen kann.

 

©️Problemhundtherapie Marion Höft


Kategorien: Keine