Marion Höft  
Hundetrainerin und Problemhundtherapeutin
Hundeschule - Hundetraining - Seminare und Coaching fuer Mensch und Hund

Ich berate Menschen und trainiere Hunde

Blog Pfote today


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Die Auslastung von Herdenschutzhunden

Gepostet am 2. Juni 2020 um 9:25

Die Zunahme von Herdenschutzhunden in unseren Haushalten ruft auch die „Auslastungsfanatiker“ auf den Plan. Vermehrt ist die Empfehlung zu hören, dass verhaltensauffällige Herdenschutzhunde nicht ausgelastet sind und dringend beschäftigt werden müssen.

 

So sind zunehmend motivierte Herdenschutzhundhalter*innen zu beobachten, die diese Hunde kilometerlang neben dem Fahrrad laufen lassen oder sie über Hindernisparcours springen lassen. Nach diesem Sportprogramm, so der Tenor, seien die Hunde müde und lammfromm. Trotz dieses Programms aber nehmen die Suchen nach einem neuen Zuhause für Herdenschutzhunde weiter zu.

 

Allein wenn man sich die Statur dieser Hunde betrachtet kann man erkennen, welcher Unsinn hier verbreitet wird. Diese Hunde sind für solche Art der Beschäftigung viel zu groß und zu schwer. Die Folgen für die Hunde sind häufig schmerzhafte Erkrankungen des Bewegungsapparats.

 

Ihre Aufgabe ist das Wachen und Schützen. Beobachtet man ausgebildete Herdenschutzhunde bei ihrer eigentlichen Aufgabe sieht man, dass ausgiebige sportliche Aktivitäten nicht dazu gehören. Sie liegen und beobachten, gehen ab und an auf Kontrollgang durch ihr Revier um anschließend wieder ihren Beobachtungsposten einzunehmen. Kein Herdenschutzhund würde jemals seine ihm anvertraute Herde verlassen, um sein tägliches Auslastungsprogramm zu absolvieren. Grundsätzlich sind es sehr ruhige und in sich ruhende Hunde.

Sie sparen sich ihre Energien, um im Ernstfall Angreifer vertreiben zu können. Dann powern sie sich aus, kurz aber heftig.

 

Diese Hunde brauchen Beschäftigung ihrer Züchtung entsprechend, sie müssen wachen und schützen und dies bringt ganz neue „Therapieformen“ auf den Markt. Manche Bauern bieten den Halter*innen an, ihre Hunde für einige Stunden ihre Schaf- oder Ziegenherden zu überlassen, damit die Hunde ihrer Veranlagung entsprechend arbeiten können. Gegen Bezahlung versteht sich.

Ich kann vor diesem Unfug nur abraten. Herdenschutzhunde werden viele Jahre auf diese Aufgabe vorbereitet und ausgebildet. Auch unter Herdenschutzhunden gibt es viele unsichere und ängstliche Hunde, die mit dieser Aufgabe überfordert wären und daher nicht zum Einsatz kommen können. Solch ein unvorbereiteter Einsatz kann gravierende Folgen haben, für die Hunde und die Herde.

 

Herdenschutzhunde sind imposante Erscheinungen und viele Menschen wollen sich mit solch einem Exemplar schmücken, bekommt man doch von so einigen einen bewundernden Blick für seine Auswahl.

 

Die Ernüchterung aber stellt sich meist schnell ein, spätestens wenn Besucher nicht mehr reingelassen werden und sich die Nachbarn über den Dauerbeller beschweren. Immer mehr dieser Statussymbole landen aus diesen Gründen in Tierheimen und eine Vermittlung ist fast aussichtslos. Für diese freiheitsliebenden und eigenständigen Hunde bedeutet dies ein Dasein hinter Gittern, eingesperrt auf wenige Quadratmeter. Eine artgerechte Haltung sieht anders aus.

 

Mit Herdenschutzhunden kann man durchaus friedlich zusammenleben, wenn man sie versteht und mit ihnen ihrer Veranlagung entsprechend lebt. Dazu aber sollte man sich vor der Aufnahme eines Herdenschutzhundes sehr gut über ihre Eigenarten und Besonderheiten informieren. Vor allem aber sollte man die Bereitschaft mitbringen, an sich zu arbeiten um so manche alte „Hundegewohnheit“ und antiquiertes Denken abzulegen.

 

Eine artgerechte Auslastung eines Herdenschutzhundes ist das Wachen und Schützen. So hat der Mensch es gewollt, mit diesen Genen wurden sie gezüchtet. Diese lassen sich weder abtrainieren noch mit irgendeiner Methode ausschalten. Sie tun es einfach. Hier ist der Mensch gefordert zu lernen, mit dieser Veranlagung umzugehen.

 

Herdenschutzhunde können ihren Menschen einiges abverlangen und ihnen ihre Schwächen aufzeigen. Wenn man sich dieser Herausforderung aber stellt, kann man sehr viel lernen - vor allem über sich selbst. Dazu braucht es nur ein wenig Mut!

 

Was Herdenschutzhunde wirklich brauchen?

 

Eine konsequente Führung

Klare Regeln und Grenzen

Einen souveränen Menschen der auch standhaft bleibt und Haltung zeigt, wenn seine Entscheidung in Frage gestellt wird.

 

Besonders bei diesen eigenständigen und manchmal eigensinnigen Hunden gilt:

"Erst wenn der Mensch sich ändert!"

 

©️ Problemhundtherapie Marion Höft

 

Meinungen - Methoden - Systeme

Gepostet am 25. Mai 2020 um 5:30

Es gibt so viele Meinungen, Methoden oder Systeme und viele liegen mit ihren Empfehlungen weit auseinander.

Links rum, rechts rum oder doch geraudeaus? Fast alle aber haben die selbe Fehlerquelle. Sie vernachlässigen die unterschiedlichen Stärken, Schwächen und auch Kompetenzen von Hund und Mensch. Lebewesen lassen sich nunmal nicht normen.

Dass immer mehr Hunde aber auch ihre Menschen in dem Dickicht der Ratgeber verzweifeln, verwundert daher nicht wirklich. Wird lediglich den Symptomen ein "Deckel" übergestülpt, bleibt die Ursache bestehen und sucht sich über kurz oder lang ihren Ausweg, bei Mensch und Hund!

Ich kann nur empfehlen, bei allem was Sie mit Ihrem Hund versuchen, zu überlegen, ob Sie derartiges Verhalten unter Hunden jemals gesehen oder gar Kommandos gehört haben. Und trotzdem kommen Hunde untereinander klar.

Was Hunde einsetzen ist eine klare (Körper)Haltung oder auch mal eine deutliche Ansage und der Artgenosse versteht. Durch diese klare Kommunikation werden Regeln aufgestellt und Grenzen gesetzt. Einen Einsatz von Belohnungshappen, Markerworten oder Hilfsmitteln kennen Hunde nicht.

Hunde in ihrem natürlichen Verhalten mit offenen Augen zu beobachten kann uns mehr lehren, als so manche Fernsehsendung oder den x-ten Erziehungsratgeber zu studieren.

Hunde lehren uns, dass weniger so viel mehr sein kann und ein konfliktfreies Zusammenleben von Lebewesen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, durchaus möglich ist wenn man berücksichtigt, dass Beziehungen immer Ursache und Wirkung sind.

Aus diesem Grund macht es aus meiner Erfahrung keinen Sinn, nur den Hunden etwas anzutrainieren oder abzuerziehen.

"Erst wenn der Mensch sich ändert!" kommen wir der Welt unserer Hunde einen großen Schritt näher und können den Grundstein legen, um unseren Hunden in ihrer Welt zu begegnen. Dann können wir verstehen, worum es im Zusammenleben von Mensch und Hund wirklich geht. um eine gute Beziehung und nicht um blinden Gehorsamt!

Marion Höft



Trainings- und Erziehungsmethoden

Gepostet am 13. Mai 2020 um 4:25

Für die Menschen gemacht aber nicht an die Hunde gedacht!

 

Methoden, um Hunde in die Spur zu bekommen, gibt es mittlerweile viele und ein Ende des Erfindungsreichtums der zunehmenden Hundekenner scheint nicht in Sicht.

 

Die Wissenschaft überholt sich selbst mit ihren Erkenntnissen, die sie selber nach kurzer Zeit für obsolet erklärt. Was wurde und wird nicht alles angepriesen: Ablenkung, Umlenkung, operante oder klassische Konditionierung, positive und negative Bestrafung bis hin zu Dominanz und Unterwerfung.

 

Hinzu kommt der Einsatz der verschiedensten Hilfsmittel wie Klicker, Leckerchen, Halti, Wurfdisc, Wasserflaschen oder ein unkontrolliertes Geschubse der Hunde bei jeder Gelegenheit.

 

Alle haben eines gemeinsam: sie versprechen die gewünschte Problemlösung und einen gehorsamen Hund innerhalb kürzester Zeit.

 

Der mittlerweile stark verunsicherte Mensch saugt die Versprechungen gerne auf. Scheinen sie ihm doch die lang ersehnte Bedienungsanleitung zu liefern, an der der Mensch sich orientieren kann und nicht selber entscheiden muss.

 

Trotzdem aber bleibt der schnelle Erfolg meist aus. Das problematische Verhalten des Hundes bessert sich nur kurzfristig und schnell zeigt er wieder das alte Verhalten, nicht selten auch verstärkt.

 

Bei alledem werden die Hunde übersehen, ihre Bedürfnisse und vor allem ihre Sensibilität. Hunde reagieren enorm auf die Stimmungen ihrer Menschen. Sie erkennen eine versteckte Wut, eine überdeckte Verunsicherung oder auch die psychische Erkrankung ihres Menschen und reagieren entsprechend.

 

Doch anstatt den Menschen zu ergründen, wird jegliches, nicht den menschlichen Vorstellungen entsprechende, Verhalten den Hunden zugeordnet. Sehen wir uns in der Welt der Hundeliebhaber*innen um, ist das Bild mehr als erschreckend. Unzählige Fragen über Fragen wie man welches Fehlverhalten der Hunde abstellen kann. Die Antworten kommen im Sekundentakt und jeder empfiehlt etwas anderes. Die Frage, warum sich die Hunde verhalten wie sie sich verhalten, aber bleibt meist aus.

 

Solange der Mensch meint, dass das natürliche Verhalten seines Hundes ein Fehl- oder Problemverhalten ist, haben unsere Hunde kaum eine wirkliche Chance bei uns Menschen bestehen zu können. Solange nur die Symptome abtrainiert werden sollen aber die Ursachen nicht interessieren, werden die Suchen nach einem neuen Zuhause weiter zunehmen und die Zahl der Tierheiminsassen weiter steigen.

 

Egal welches Verhalten wir als Problemverhalten bezeichnen, aus Sicht der Hunde ist es ganz normales Verhalten. Sie haben kein Problem wenn sie bellen oder auf die Jagd gehen. Sie haben kein Problem, wenn sie Haus und Hof bewachen oder Besucher knurrend am Betreten der Wohnung hindern.

 

Machen wir uns bewusst dass wir es sind, die Hunde nicht mehr verstehen. Die mit ihrem natürlichen Verhalten nicht mehr zurechtkommen und uns dringend wieder mit der Welt unserer Hunde auseinandersetzen müssen, ist ein erster aber sehr wichtiger Schritt getan: der Schritt in die Welt unserer Hunde, die bei weitem nicht so kompliziert ist wie sie, auch von Fachleuten, dargestellt wird.

 

Auch wenn all diese Methoden den Menschen Halt und Orientierung geben sollen, um mit den Hunden zurechtkommen zu können, werden sie am Ende dennoch scheitern, spätestens wenn der Clicker vergessen oder die Wasserflasche geleert ist.

 

Hunde brauchen Menschen die sie führen, die ihnen eine Struktur geben und ihnen zeigen, wie sie sich in einer für sie fremden Welt richtig verhalten. Hunde brauchen Menschen, die bereit sind an sich zu arbeiten und auch das ein oder andere an und in sich zu verändern.

 

Hunde brauchen keine Trainer, sie brauchen (Führungs) Persönlichkeiten. Dies eint die Welt von Mensch und Hund.

 

Lassen wir all dieses Methodengedöns weg und beobachten stattdessen wieder unsere Hunde können wir erkennen, wieviel mehr weniger sein kann.

 

Erst wenn der Mensch sich ändert, ändert sich sein Hund!

 

©️ Problemhundtherapie Marion Höft

Ein besonderer Tag?

Gepostet am 1. Mai 2020 um 5:25

Geburtstag, ist es wirklich ein besonderer Glückstag?

 

Meine Hunde haben mich gelehrt, dass es zum glücklich sein nicht viel braucht, sondern dass ich dieses nur in mir finden kann - an jedem einzelnen Tag!

 

Diese Einstellung hat mich unendlich reich gemacht, nicht an Geld, sondern an einer inneren Zufriedenheit, die unbezahlbar ist.

 

Heute bin ich bei mir angekommen. Ich bin wie ich bin und nicht wie andere mich haben wollen. Ich brauche keine Influencer, Coaches oder Gurus die mir Dinge aufschwatzen wollen, für die sie gut bezahlt werden.

Ich brauche keinen 5 Weg Plan zur Erfüllung, keinen 7 Stufen Glücksformel oder die 20ste Erziehungsmethode für meine Hunde.

Auch wenn mein Leben äußerlich Spuren hinterlassen hat brauche ich keine Operationen, die aus mir einen Menschen machen sollen, der ich nicht bin.

 

Meinen Hunden sind diese Äußerlichkeiten egal. Sie lehren mich jeden Tag aufs Neue, mir treu zu bleiben, mich nicht verbiegen zulassen und mich zu akzeptieren wie ich bin.

Wenn ich Gefahr laufe von meinem Weg abzukommen und mich in diesen hektischen Zeiten zu verlieren, sind es meine Hunde, die mich durch einen strafenden Blick oder Ignoranz wieder zurückholen.

 

Ich bin nicht auf der Suche, weder nach mir noch nach dem ganz großen „next big Thing“. Beides habe ich nach langen Jahren des Reifens finden dürfen. Erforderlich war die Erkenntnis, dass es die kleinen alltäglichen Dinge sind, die in der Summe die ganz Großen sind.

Geschenke brauche ich heute nicht, ich bekomme sie jeden Tag. 10 Augen, die mich ansehen und 20 Pfoten die mir folgen. Mensch was willst du mehr?

 

Diese innere Zufriedenheit findet man erst im Lauf der Zeit. Man muss Umwege und manchmal auch Irrwege gehen, um sich von der Meinung anderer frei machen zu können. Dann erst weiß man wie wenig es doch braucht, um über so vieles schmunzeln zu können.

 

Ich habe Geburtstag und auch wenn meine Lebenszahl sich wieder erhöht bin ich dankbar, dass ich im Lauf der Jahre werden durfte wer ich heute bin. Einfach nur Marion!

 

Ich danke meiner Familie, meinen Hunden und all meinen Wegbegleitern, die mich auf meinen Weg zu mir begleitet und unterstützt haben. Durch sie bin ich angekommen, bei mir und in mir!

 

Dazu hat es all die Jahre gebraucht und ich möchte keines missen, weder die guten noch die schlechten. Nein, 20 möchte nicht mehr sein. Mit all dem Erlernten und Erlebten lebt es sich im Hier und Jetzt herrlich entspannt.

 

Wenn wir unseren Blickwinkel ändern können wir erkennen, dass jeder Tag ein besonderer Tag ist. Unsere Hunde leben uns vor, dass die Jagd nach dem ganz großen Glück Vergeudung von wertvoller Energie ist und uns den Blick für die kleinen aber feinen Dinge vernebelt.

 

Weder unsere Hunde noch wir Menschen sind perfekt und werden es auch niemals sein, egal wie sehr wir uns auch anstrengen. Lernen wir dies zu akzeptieren ist der Weg für ein harmonischen Miteinander bereitet.

 

Wie alt ich bin? Unwichtig, es ist nur eine Zahl die heute gefeiert wird und die Erkenntnis, dass ich einzig aber nicht artig bin ��

 

In diesem Zusammenhang bedanke ich mich bei all meinen Leserinnen und Lesern für die vielen zustimmenden Kommentare, obwohl ich nicht immer mit dem Mainstream gehe.

 

Ohne Euch hätte ich niemals das Buch „Erst wenn der Mensch sich ändert!“ geschrieben. Das war mein „Big Thing“ und die Fortsetzung folgt.

 

Was ich mit diesen Zeilen sagen will? Glaubt an Euch und geht den einzig richtigen Weg – es ist Euer Weg!

Bereits jetzt schon habe ich zahlreiche Glückwünsche erhalten, über die ich mich sehr freue. Ich werde sie alle lesen aber seid bitte nicht böse, wenn ich sie nicht alle beantworten kann.

 

 

 

Eure/Ihre

©️Marion Höft

 

Normal - was soll das sein?

Gepostet am 30. April 2020 um 4:15

Wie oft hören wir „das ist nicht normal, normal tut man sowas nicht“ oder „Ihr Hund verhält sich nicht normal“.

 

Wer sagt denn was normal ist, wie man sich zu verhalten hat, was man zu tun oder zu lassen hat? Die Gesellschaft, die Politik, die Industrie oder gar die „Elite“?

 

Vor einigen Jahren noch war es völlig normal, dass man von seiner Hände Arbeit vernünftig leben konnte. Als genormte und anständige Bürger ist es für uns heute normal, jeden Tag für einen Lohn zu malochen, der kaum noch zum Leben reicht. Für Kinder war es normal, sich im Schlamm zu wälzen oder durch den Wald zu streifen. Die Normen haben sich geändert und heute wird es als normal angesehen, dass Kinder vor Spielekonsolen oder Handys vereinsamen. Ein schmutziges Kind gilt heute als unnormal und ein tobendes Kind hat ADHS.

 

Es gibt Verhaltensregeln allerorten und der genormte Mensch wird immer wieder in die Falle des Unnormalen tappen. Sich ständig ändernde Regeln, Vorschriften und Gesetze schränken die Individualität dermaßen ein, dass kaum noch Luft zum Atmen bleibt. Irgendetwas an Taten oder Verhalten könnte als nicht normal gewertet und geahndet werden.

 

Auch unsere Hunde haben wir genormt. Experten und Wissenschaftler geben vor, wann ein Hund sich normal verhält und wann nicht. Alles wurde an der menschlichen Gesellschaft gemessen und das Wesen Hund hat sich dieser unterzuordnen.

 

Ein bellender Hund macht Lärm und nach 22 Uhr hat er die Klappe zu halten. Ein Hund hat an der lockeren Leine zu laufen und jagen geht ja nunmal gar nicht. Dass Hunde Autofahren aushalten müssen ist in unserer mobilen Zeit völlig normal, ebenso dass alle Besucher freudig empfangen werden müssen. Entspricht der Hund nicht diesen Normen nennt man ihn verhaltensauffällig. Der Mensch will es so und basta!

 

In dieser normalen Erwartungshaltung wird meist übersehen, dass Hunde die menschlichen Normen nicht kennen und immer noch wie Hunde reagieren und sich entsprechend verhalten. Dazu gehört auch, dass sie weder die Uhrzeit kennen noch irgendein Erziehungsbuch gelesen haben.

 

Jagen, Bellen, Wachen, Schützen und auch Verteidigen ist aus Sicht der Hunde völlig normal, nur für den Menschen nicht. Dieser fühlt sich in seiner genormten Komfortzone gestört und schickt den Hund ins Bootcamp. Der nicht nach menschlichen Normen funktionierende Hund braucht eine Resozialisierung, um in das gesellschaftliche Raster zu passen.

 

Vorangetrieben werden diese genormten Erwartungshaltungen durch unzählige Ratgeber, Fernsehsendungen und Vorführungen perfekt genormter Hunde im Internet.

 

Bei allen Normen wird eines außer Acht gelassen. Mensch und Hund sind Lebewesen mit verschiedenen Stärken, Schwächen und auch Kompetenzen. Nicht jeder kann alles und für manche Dinge sind Mensch und Hund absolut talentfrei. Mensch ist nicht gleich Mensch und Hund ist nicht gleich Hund.

 

Dieses Hineinpressen in die gesellschaftlichen Normen überfordert mehr und mehr Menschen und auch Hunde. Die Erwartungen sind hoch, werden immer höher und fordern ihren Tribut.

 

Wer es immer nur den anderen recht machen will um der Norm zu entsprechen, verbiegt sein Ich und verliert seine Authentizität.

Wer seinen Hund nach den vorgebenden Normen formen will, wird eventuell einen gehorsamen Hund bekommen, der sein Wesen dem Menschen unterordnet. Das wahre Wesen seines Hundes wird er aber niemals kennenlernen. Genormte Lebewesen sind niemals echt und irgendwann sucht sich der Frust seinen Ausweg, wir nennen es Problemverhalten.

Eine Gemeinschaft braucht Regeln und Grenzen, die Orientierung geben und ohne gegenseitige Rücksichtnahme ist ein Zusammenleben kaum möglich.

 

Wer aber immer nur der Norm entsprechen will, wird sich selber niemals finden und immer nur neidisch auf diejenigen blicken, die es gewagt haben sich den gesellschaftlichen Zwängen zu entziehen.

 

Seien Sie Sie selbst und lassen Sie Ihren Hund auch mal Hund sein, auch wenn es nicht immer in den Augen anderer als normal erscheint und Sie so manche schiefe Blicke erreichen werden.

Vielleicht sind diese Blicke aber auch eine heimliche Bewunderung für Ihren Mut, den diese Leute niemals aufbringen werden.

 

Glückliche Menschen werden glückliche Hunde haben, auch oder weil sie nicht der Norm entsprechen. Glück und Zufriedenheit kann man nicht normen, auch wenn die Werbung uns etwas anderes einreden will.

 

Hunde und Menschen sind niemals in eine Form pressbar. Jeder ist auf seine Art und Weise einzigartig und besonders. Wir können voneinander lernen und uns entwickeln, wenn wir uns gegenseitig achten und über so manche vermeintliche Schwäche der anderen hinwegsehen.

 

Nichts und niemand ist perfekt und das ist gut so!

 

Hunde haben sich den Menschen als Sozialpartner zu einer Zeit gewählt, als es noch normal war, sich auf seine Instinkte und seinen gesunden Menschenverstand zu verlassen. Heute wählen sich viele Menschen den Hund als einzigen Sozialpartner aus, weil sie in der genormten sozialen Einsamkeit nicht mehr zurecht kommen und Unterhaltung brauchen.

 

Dass Hunde diesen Anspruch nicht gerecht werden können, liegt auf der Hand. Sie können uns aber auf unserem Weg zur eigenen Normalität begleiten und unterstützen, auch wenn man dabei manchmal die gesellschaftliche Norm verlassen muss.

 

Von Hunden lernen heißt Leben lernen aber „Erst wenn der Mensch sich ändert!“.

 

©️ Problemhundtherapie Marion Höft

 

Wenn das Leben aus den Fugen gerät

Gepostet am 23. April 2020 um 4:00

Fast über Nacht war nichts mehr wie es war. Ausgangsbeschränkungen, Kontaktverbote, Schulschließungen und Betriebsschließungen haben uns aus unserem Alltag gerissen.

 

Anfangs waren viele über eine noch nie erlebte Entschleunigung erfreut. Doch mit Andauern der Ausnahmesituation nimmt auch der Frust zu. Die Enge in den Wohnungen, die strengen Regeln draußen und angestaute Energien fordern zunehmend ihren Tribut. Vermehrt hören wir Berichte über zunehmende Gewalt in den Familien, auch gegenüber Kindern. Hilfe bekommen sie derzeit nicht.

 

Viele Menschen sind in Kurzarbeit und immer mehr verlieren ihre Arbeit. Auch Selbständige sind hart getroffen. Immer mehr müssen schließen und ihre Zukunft ist ungewiss. Die Sorge und auch Verunsicherung wächst spürbar.

 

Diese Unsicherheit und auch der Frust vieler Menschen geht auch an den Hunden nicht spurlos vorbei. Ich bekomme viele Anrufe, weil Hunde zunehmend aggressiv werden. Manche Menschen haben eine Lösung gefunden, indem sie ihre Hunde aus der angespannten Situation nehmen und bei Freunden oder Familie unterbringen können. Dort waren auch die Verhaltensauffälligkeiten „über Nacht“ verschwunden.

 

Wir haben unsere Hunde technisiert, kategorisiert und ihr Verhalten analysiert. Bei all diesen äußerlichen Beobachtungen wird immer noch viel zu wenig berücksichtigt, wie feinfühlig Hunde sind, wie sehr sie auf unsere innere Haltung reagieren.

 

Sind wir aus dem Lot, aus unserer Mitte gerissen, spüren unsere Hunde dies sofort und reagieren entsprechend. Auch das was wir Fehlverhalten nennen, ist nichts anderes als Kommunikation. Ändert ein Hund sein Verhalten ist dies lediglich eine Wirkung, deren Ursache nicht beim Hund liegt.

 

Was also tun? Besonders in schwierigen Zeiten sollten wir auf unsere Hunde achten. Werden sie für uns zunehmend problematisch, gilt es zuerst sich selbst zu hinterfragen. Was ist los, was stimmt mit mir nicht? Es kann schon helfen, in solchen Situationen mit dem Hund rauszugehen um gemeinsam mit ihm den Kopf wieder frei zu bekommen. Abschalten und mit seinem Hund im Hier und Jetzt leben. Bei all den momentanen Sorgen ist es für viele Menschen nicht leicht, aber genau das braucht man. Einfach mal alles hinter sich lassen und dadurch neue Kräfte sammeln. Mag das Loslassen am Anfang noch schwer fallen, wird es von Mal zu Mal leichter fallen. Wie sagt man im Hundetraining? Üben, üben und nochmal üben.

 

Wird der Hund zunehmend aggressiv, kann ich nur dringend zu einem Maulkorb raten. Hunde können viel ertragen und auch aushalten. Doch auch bei ihnen wird sich der Frust früher oder später entladen. Wir erleben es immer wieder.

 

Vielleicht haben Sie auch die Möglichkeit, Freunde oder Familienmitglieder um Unterstützung zu bitten, damit Sie und Ihr Hund zur Ruhe kommen können. Eine Auszeit von einander kann manchmal Wunder bewirken und neues Vertrauen aufbauen.

 

Wenn Hunde problematisch werden, reichen sie uns im Grunde ihre helfende Pfote. Sie zeigen uns, dass wir mit uns und unserem Leben nicht im Reinen sind. Nehmen wir diese helfende Pfote an, kann unser Hund ein ausgleichender Wegweiser sein, um Krisen auch als Herausforderung zu sehen und miteinander wachsen zu können. Dazu braucht es nicht viel. Man muss nur seinen Blickwinkel ändern.

 

Es wird für uns alle weitergehen, so oder so. Dies sollten wir niemals vergessen und unseren Blick nach vorne richten. Verlieren wir diesen Blick sind da zwei Augen die uns sagen, ich helfe dir aber...

 

„Erst wenn der Mensch sich ändert“!

 

Bleiben Sie und Ihre Lieben gesund und vor allem zuversichtlich. In uns allen schlummert mehr, als wir ahnen.

 

Eure/Ihre

©️Marion Höft


 

 

Abschalten!

Gepostet am 18. April 2020 um 4:35

Die Tage war zu lesen, dass Forscher herausgefunden haben wollen, dass Menschen mit Hunden besser mit dem Virus zurechtkommen, als Menschen ohne Hund.

Ob das stimmt oder nicht? Wer weiß das schon. Meinungen und Annahmen in alle Richtungen gibt es dieser Tage viele und die Verunsicherung wächst.

Mir geben meine Hunde sehr viel und besonders in dieser herausfordernden Zeit Orientierung. Beobachte ich meine Hunde sehe ich, was wirklich wichtig ist. Es ist nicht die Sorge vor der Zukunft, die niemand kennt und auch nicht das Hadern mit dem was war.

Es ist die Gegenwart, der Augenblick der zählt. Aus diesem gilt es das Beste zu machen und das Schöne zu erkennen. Meine Hunde haben mich gelehrt, dass Informationen durchaus wichtig sind aber auch das Abschalten und alle "Propheten" dort zu lassen wo sie sind: weit weg in einer Welt, die häufig eine ganz andere ist als unsere.

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende und trefft Eure Hunde in ihrer Welt- im Hier und Jetzt! Dann können Körper, Geist und  Seele das finden, was sie brauchen um neue Kraft zu schöpfen: Ruhe!

Eure/Ihre

Marion Höft


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