Marion Höft  
Hundetrainerin und Problemhundtherapeutin
Hundeschule - Hundetraining - Seminare und Coaching fuer Mensch und Hund

Ich berate Menschen und trainiere Hunde

Blog Pfote today


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Das neue Buch von Marion Höft

Gepostet am 2. März 2021 um 5:10

Das zweite Buch von Marion Höft "Elli - Souveränität braucht kein Kommando" wird in Kürze in allen Buchhandlungen erhältlich sein!


Danke Elli!

Gepostet am 2. Februar 2021 um 7:55

Wenn Hunde älter werden, können wir einige Veränderungen feststellen. Ihr Gang wird langsamer, die Aufmerksamkeit verringert sich und auch die einstigen so scharfen Sinne lassen allmählich nach. Auch die äußerlichen Veränderungen kann man irgendwann nicht mehr leugnen, das Fell wird grau und der Blick müde.

 

Hinzu kommen körperliche Einschränkungen, der Körper baut ab und die Muskeln verlieren ihre Kraft. Bei vielen Hunden tritt eine Inkontinenz auf, die einige Menschen an ihre Grenzen bringt. Der teure Teppichboden wird ruiniert und so manche Urinpfütze sprengt den Holzboden. Viele Tierärzte berichten, dass so manche Hundehalter*innen das einstige Familienmitglied gerne „erlösen“ möchten. Man muss sich fragen, von was?

 

Beobachten wir unsere alt gewordenen Freunde können wir feststellen, dass sie eventuell nicht mehr die fittesten aber doch die weisesten Hunde sind, sie sparen sich ihre Energien für die wichtigen Dinge auf. Sie nehmen nicht mehr jede Herausforderung an, sondern gehen Konflikten vermehrt aus dem Weg. Sportliche Aktivitäten stehen nicht mehr auf der Tagesordnung, lieber wird ausgiebig geruht um Ressourcen zu schonen.

 

Gassi gehen ist immer noch eine große Sache, nur nicht mehr so weit und es wird mehr geschnüffelt, wenn der Körper neue Kräfte sammeln muss. Haben alte Hunde keine Freude mehr am Leben, leiden sie an ihrer Inkontinenz oder ihren nachlassenden Kräften? Sicher nicht. Sie leben und das immer noch gerne, nur eben anders. Ruhiger, gelassener und entspannter.

 

Für uns Menschen kann ein weiser Hund eine Chance sein. Die Chance aus seinem hektischen Alltag zwischendrin mal auszusteigen und innezuhalten, um gemeinsam mit seinem ergrauten Hund den Moment zu genießen.

 

Sie sind die Chance für uns, sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen und an den kleinen Dingen freuen zu können. Sie zeigen uns, dass es zum Leben nicht viel braucht, dass man Zufriedenheit nur in sich selbst finden kann, indem man akzeptiert was ist und Frieden schließt mit dem was war.

 

Auf dem Foto ist meine Elli zu sehen, Alter unbekannt. Elli hat mich lange Zeit in meiner Arbeit unterstützt, sie war die beste Assistenzhündin die ich mir vorstellen konnte. So manchen ungehobelten Rüpel hat sie mit ihrer klaren Kommunikation in die Schranken gewiesen und vielen Menschen gelehrt, wie Hunde kommunizieren. Klar, eindeutig und manchmal auch kompromisslos.

 

Das Alter ist Elli nun deutlich anzusehen. Sie baut merklich ab und die Inkontinenz macht auch vor ihr nicht halt. Sie hat kein Problem damit und wir auch nicht. Die Teppiche haben wir entsorgt und die Pfützen wischen wir weg.

 

Sie darf das, was viele Menschen nicht mehr können: in Würde alt werden, alt sein und jeden Tag so verbringen, wie sie es möchte - in aller Ruhe. Ohne Hektik oder Stress, mit gutem Futter und viel Streicheleinheiten. Regelmäßig besuchen wir unsere Tierärztin, damit sie auch medizinisch gut betreut durch das Alter begleitet wird.

 

Elli war ein guter Lehrmeister. Eine Hündin die kein Problem hat, dass so manches nicht mehr so gut funktioniert. Sie lebt im Hier und Jetzt, akzeptiert sich wie sie ist und geht ihren Weg so, wie sie ihn gehen muss - klar, eindeutig und manchmal auch kompromisslos. Das ist ihr Weg. Der Weg einer Herdenschutzhündin, die das Überleben viele Jahre in einem Canile gelernt hat.

 

Elli ist nicht alt, Elli ist weise!

 

Diesen Artikel habe ich im Frühjahr 2019 meiner Elli gewidmet.

 

Doch auch Elli hat die Lebensenergie verlassen und wir mussten den Weg des Abschiednehmens beschreiten und sie über die Regenbogenbrücke gehen lassen.

 

Elli hat mich mehr gelehrt, als alle Bücher oder Experten zusammen es jemals könnten und dafür bin ich unendlich dankbar. Sie hat mich gelehrt, dass Hunde nicht erzogen sondern geführt werden wollen und dass es nicht viel mehr als Achtsamkeit und Respekt gegenüber der Einzigartigkeit eines jeden Wesens für ein gemeinsamen Glück braucht.

 

Ich wünschte dass viele Menschen ihren Blickwinkel ändern und erkennen, dass Hunde die großartigsten Lehrmeister sein können. Dazu braucht es nur ein wenig Mut. Mut, sich aus alten Schablonen zu lösen und seinen eigenen Weg zu gehen.

 

Danke Elli für alles, was du mir gegeben hast! Erzogen habe ich dich nie und doch, oder gerade deswegen, warst du MEIN „Hundetrainer“!

 

Auch wenn wir Angst vor dem Sterben haben, sollten wir niemals vergessen wie schön das Leben ist - auch das lehren uns unsere Hunde.

 

Glück ist eine Entscheidung - Angst aber auch!

 

R.I.P. Elli

 

©️Marion Höft


Irgendwann kommt der Hund den man braucht!

Gepostet am 13. Januar 2021 um 5:10

Wir Menschen lieben Hunde und für viele ist ein Leben ohne Hund undenkbar. Auswahlmöglichkeiten für den passenden Hund gibt es viele: im Internet, beim Züchter, im Tierheim oder dem Tierschutz.

 

Ist der „perfekte“ Hund gefunden, ist die Liebe groß und es wird ewige Treue geschworen.

 

Doch schnell stellt man fest, dass sich die Liebe recht einseitig entwickelt. Der Hund will nicht gehorchen, zerbeißt das Mobilar und dann geschieht das Unerwartete: der Hund schnappt nach dem Menschen, der ihn so sehr liebt.

 

Die große Liebe ist innerhalb kurzer Zeit zerrüttet und man entscheidet sich für eine Trennung. Der Hund muß weg!

 

Warum? Weil wir nicht sehen wollen. All diese Hunde, wir nennen sie Problemhunde, zeigen uns unsere Schwächen auf.

Wir sind es, die versagt haben. Wir sind es, die Fehler gemacht haben. Wir sind es, die nicht sehen wollten. Wir sind es, die es sich zu einfach machen. Wir sind es, die zu schwach sind!

 

Einen schwierigen Hund zu haben eröffnet uns eine völlig neue Welt. Dieser Hund zwingt uns dazu, uns selbst zu überdenken und an uns zu arbeiten. Haben wir aus einem Hund einen „Problemhund“ gemacht, müssen wir uns fragen was wir falsch gemacht haben und nicht die Fehler beim Hund suchen.

 

Diese Hunde zeigen uns schonungslos unsere Defizite auf, auf eine Art und Weise wie sie ehrlicher nicht sein kann.

Problematische Hunde zwingen uns, mit uns selber ins Gericht zu gehen und uns zu hinterfragen.

Hunde lesen uns wie in einem offenen Buch. Jede Schwäche oder auch Unsicherheit wird erkannt und ausgenutzt. Nur wer authentisch ist und aufrecht seinen Weg geht, wird in der Hundewelt bestehen. Schauspieler und Möchtegerns werden schnell durchschaut.

Hunde halten uns den Spiegel vor, und was wir dort zu sehen bekommen, gefällt nicht jedem.

 

Einfacher ist es, diesen aufrichtigen Lehrer aus seinem Leben zu entfernen. Lieber bleiben wir in dem Hamsterrad gefangen, das uns zum von außen suggerierten Glück treiben soll.

 

Dass man mit einem Hund nicht zurechtkommt, passt nicht in eine erfolgsorientierte Welt.

Dass ein „dummer Hund“ unser wahrhaftiger Lehrmeister sein kann wird ausgeblendet.

Schließlich lassen wir nur die Menschheit als intelligent gelten.

 

Nein, in diesen Spiegel wollen wir nicht sehen. Zu groß ist die Angst vor der Wahrheit. Der Wahrheit dass wir schwach sind, der Wahrheit, dass wir mit uns selber nicht zurechtkommen. Der Wahrheit dass alles nur Fassade ist. Der Wahrheit dass wir Fehler gemacht haben.

 

Nein, der Hund ist schuld. Der Hund ist aggressiv und muss weg, und zwar sofort! Weil wir nicht ertragen, was dieser Lehrer uns zu sagen hätte.

 

Wir haben Angst vor uns selber, Angst die Wahrheit zu hören, Angst in unsere Seele zu blicken.

 

Lieber verpassen wir die Chance, diese Herausforderung anzunehmen. Wir verpassen aufzuräumen was aufzuräumen ist. Wir verpassen, uns aus dem Korsett der Gesellschaft zu befreien und unser eigenes Leben zu leben.

Wir verpassen es zu leben!

 

Genau das hätte uns dieser „Problemhund“ gelehrt: Sei DU und lebe DEIN Leben!

 

Stattdessen wählen wir den vermeintlich leichtesten Weg: wir stellen uns unseren Schwächen nicht, weigern uns an diesen zu arbeiten oder gar diese zu akzeptieren.

 

Den Spiegel entsorgen wir, im Tierheim oder starten seine Hunde–

Karriere als Wanderpokal . Hauptsache es bleibt alles wie es immer war. Wir Menschen sind schließlich perfekt!

 

Machen wir uns bewusst, dass Hunde schonungslos ehrlich sind, ehrlicher als viele unserer Freunde. Hunde sind es auch, die uns auf den richtigen Weg bringen können, auf den Weg zu uns.

 

Wenn ein Hund sein Verhalten ändert, müssen wir zuerst uns hinterfragen. Wir müssen bereit sein zu lernen und Schwächen zuzugeben. Nichts und niemand ist perfekt!

 

Sind wir dazu bereit, steht der „großen Liebe“ zwischen Mensch und Hund nichts mehr im Weg.

 

Erst wenn der Mensch sich ändert, ändern sich unsere Hunde!

 

 

Marion Höft

Welchen Wert haben unsere Hunde?

Gepostet am 16. Dezember 2020 um 10:55

Meine vergangenen Besuche in verschiedenen Tierheim haben mich wieder mal zum Nachdenken bewegt, warum so viele Hunde dort landen.

 

Ein Hund ist heutzutage leicht zu erwerben. Abends aufs Sofa gesetzt, Computer mit dem Internet verbinden und die Shoppingtour kann starten.

 

Auf unzähligen Seiten werden Hunde aller Rassen, Größen und jeden Alters angepriesen und mit Texten versehen, die jedes Herz erweichen lassen.

 

Natürlich will man helfen und die arme Seele, die bereits auf ihrem "gepackten Köfferchen" sitzt, von ihrem Leid erlösen.

Von den Risiken und Nebenwirkungen ist meist wenig bis nichts zu finden. Werden Mischlinge angeboten, kann über die dort versteckten Rassen nur spekuliert werden. Ist auch nicht so wichtig, wenn große Augen aus dem Bildschirm direkt in unser Herz schauen.

 

Schnell ist der Link zum Kauf gedrückt. Zwischenzeitlich kommt jemand zur Vorkontrolle. Das Haus wurde aufgehübscht, natürlich ist man Hundeerfahren und die Liebe riesengroß.

 

Alles klar, die Lieferung kann kommen. Schnell stellt sich aber heraus, dass die Lieferung nicht dem Angebot entspricht. Der Hund ist weder dankbar noch zuckersüß. Er hat Angst vor Männern und das Wort stubenrein ist ihm unbekannt. Kinder sind ihm suspekt und bei der Fütterung schaltet der Hund auf Angriff um.

 

Schnell setzt bei dem rettenden Menschen die Ernüchterung und eine tiefe Enttäuschung ein.

 

Der Verkäufer wird kontaktiert und wüst beschimpft. Man solle den Köter am besten sofort abholen, ansonsten wird er im Tierheim abgegeben. Ende der Durchsage!

 

Manche Vereine nehmen diese „fehlerhaften“ Hunde zurück und begeben sich auf eine manchmal lange Suche nach einem neuen Zuhause oder alternativ eine Pflegestelle. Manche Hunde werden über eine lange Zeit herumgereicht, von Mensch zu Mensch. Zeit mit diesen Hunden zu arbeiten, sie auf ein Leben bei uns vorzubereiten bleibt meist kaum.

 

So ereilt immer mehr Hunden das Schicksal der Heimreise.Sie werden in ihr Ursprungsland zurückgebracht, in ein Shelter oder auch wieder in die Tötung.

 

Wenn diese Hunde „viel Glück“ haben, bekommen sie einen der mittlerweile stark begrenzten Plätze in einem Tierheim.Eingesperrt und verwahrt auf wenige Quadratmeter.

 

Wer sagt, dass es den Hunden in deutschen Tierheimen besser gehe, als in einem ausländischen, macht es sich zu leicht. Und so mancher redet sich sein schlechtes Gewissen schön. Man hat doch gerettet!

 

Die Hunde bekommen regelmäßig ihr fressen, und sonst? Der Sozialpartner Mensch hat dort keine Zeit, um sich um jeden Hund kümmern zu können. Die Gelder der Tierheime sind knapp und viele können nur aufgrund ehrenamtlicher HelferInnen überleben. Diese Menschen gehen mit den Hunden einmal am Tag raus. Zuwendung, Training, die Hunde fit für die Vermittlung zu machen? Keine Zeit!

 

Die körperlichen Grundbedürfnisse der Hunde werden erfüllt, aber die Psyche der Hunde leidet. Sie stehen unter Dauerstress, eingesperrt und sich selbst überlassen. Artgerecht ist das nicht.

 

Was hat sich geändert?

 

In einer Zeit ohne Internet musste man sich mit dem Thema Hund auseinandersetzen. Die Menschen gingen zum Nachbarn bei dem es einen Wurf Mischlinge gab oder zum Züchter und wurden von diesem noch beraten. Die Menschen waren gezwungen, sich Gedanken über ein Leben mit Hund zu machen.

 

Die große Verunsicherung mittels Dr. Google oder Fernseherziehungsshows gab es noch nicht und die Menschen vertrauten noch auf ihre Instinkte und ihren gesunden Menschenverstand.

 

Auch wurden Hunde nicht leichtfertig an irgendjemanden gegeben. Man war sich des Lebewesens Hund bewusst und wusste dieses noch zu schätzen.

 

Sicher gab es auch Ausnahmen, doch hielten sich diese in Grenzen. Wer seinen Hund ausgesetzt hat, hat einen Shitstorm am eigenen Leib erlebt. Nicht unter dem Schutz der Anonymität in einer virtuellen Welt sondern in der Realität.

 

Die Anonymität unserer heutigen Lebensweise macht es uns leicht einen Hund zu entsorgen, wenn er nicht mehr gefällt oder sein Verhalten Mühe macht.

 

Auch hier in Deutschland besteht dringender Handlungsbedarf was den Tierschutz anbelangt. Tausende Hunde werden jedes Jahr ausgesetzt, im Wald an einen Baum ohne Verpflegung angebunden oder bei der Fahrt in den verdienten Urlaub an einer Raststätte „vergessen“.

 

Tierheime, Gnadenhöfe und private Pflegestellen sind voll, die Kapazitäten sind erschöpft.

 

Hunde sind Lebewesen denen man mit Respekt begegnen muss, die nicht immer nur lieb und verschmust sind. Damals wie heute brauchen Hunde verantwortungsvolle Menschen, die diesen wunderbaren Wesen Wertschätzung entgegenbringen und ihnen eine echte Chance geben.

 

Auch wenn das Onlineangebot schier unendlich ist sind Hunde keine Ware, die man mal eben shoppt und bei Nichtgefallen zurückgeben kann.

 

Liebe und ein Helfersyndrom reichen bei weitem nicht aus, um einen Hund gerecht werden zu können.

 

Tierschutz ist Verantwortung - von allen Seiten!

 

Und Wertschätzung? Kein Platz in dieser Wegwerfgesellschaft!

 

Auch bei mir gehen fast täglich Hilferufe ein, ob ich nicht noch einen Platz frei habe. Nein, den habe ich nicht. Ich habe bereits fünf Hunde aus dem Tierschutz aufgenommen, zwei davon waren s.g. Rückläufer denen die Einschläferung aufgrund von Verhaltensproblemen drohte.

 

An dieser Stelle möchte ich allen Menschen danken, die ihre Freizeit opfern um all diesen Hunden ein klein wenig zu helfen, ihnen etwas Zuwendung zukommen lassen. Die ehrenamtlich auch über ihre Grenzen gehen,um zu helfen und denen häufig auch etwas nicht entgegengebracht wird: Wertschätzung!

 

Ohne diese vielen ehrenamtlich tätigen Menschen, wäre dieses System „Tierschutz“ bereits kollabiert.

 

©️Marion Höft

Ehrlichkeit?

Gepostet am 27. November 2020 um 0:50

Was wird den Hundeliebhaber*innen nicht alles eingeredet. Jeder Hund braucht nur ein wenig Training, viel Liebe und Geduld. Auslandshunde wünschen sich nichts mehr als ein warmes Körbchen oder aktuell kommt eine 7 Tage Erfolgsmethode auf den Markt, die einen auf Kommando perfekt funktionierenden Hund verspricht. Mit Ehrlichkeit hat dies wenig zu tun, die Realität erzählt uns etwas ganz anderes.

 

Besonders wer einen „gebrauchten Hund“ aufnimmt, muß sich über die Risiken und Nebenwirkungen im Klaren sein. Viele dieser Hunde haben das Überleben fernab von Menschen gelernt. Sie in unser, für sie vollkommenes fremdes Leben, zu integrieren, kann eine ungeahnte Herausforderung sein. Viele Menschen scheitern an dieser Aufgabe, weil sie falschen Versprechungen gefolgt sind oder an universelle Trainingsmethoden geglaubt haben.

 

Von vielen dieser Hunde ist meist nichts bekannt. Man weiß nicht wo sie aufgewachsen sind, was sie erlebt haben und schon gar nicht, welche Strategien sie für sich gelernt haben, um überleben zu können. So manche Straßenhunde wehren sich vehement gegen ihre Rettung und es braucht Tage, um sie einfangen zu können. Welche Geschichte diese Hunde mitbringen und warum sie vor Menschen flüchten, wird ihr Geheimnis bleiben.

 

Die Wissenschaft hat uns die enorme Bedeutung der Präge- und Sozialisierungsphasen erklärt. Während dieser Zeit können Hunde negative Erfahrungen z.B. Misshandlungen gemacht haben, die sich tief in ihrem Inneren verankert haben. Hier kann eine Bewegung, ein Wort, ein Geräusch u.v.m. genügen, um einen Angriff „aus dem Nichts“ auszulösen.

Nicht zu unterschätzen sind diejenigen, die Hunde vom Welpenalter an durch streng getaktete Sozialisierungsprogramme laufen lassen. Diese Hunde sollen innerhalb von 12 Wochen alles lernen, was der Mensch als sinnvoll erachtet. Viele dieser Hunde aber werden dabei am Hund vorbei sozialisiert.

 

Damit all diese besonderen Hunde eine echte Chance haben, um in ihrem neuen Leben ankommen zu können, gibt es in der Tat eine Erfolgsmethode. Bei diesen Hunden muss der Mensch lernen, mit den Eigenarten des Hundes umzugehen. Manchmal kann man auch nur akzeptieren, dass dieser Hund ist wie er ist, dass er niemals den Vorgaben aller Experten oder der eigenen Wunschvorstellung entsprechen wird.

 

Seien wir bereit zu sehen was ist und befreien uns von dem, was wir glauben sollen. Dann ist der Weg für ein Zusammenleben geebnet. Auch wenn es nicht immer den Idealvorstellungen der Anderen entspricht, kann es doch perfekt sein. Weil Mensch und Hund sich arrangiert und akzeptiert haben - so wie sie sind.

 

Wenn sich weiterhin vor der Wahrheit gedrückt wird, wird das Leid vieler Hunde weitergehen. Sie werden weiterhin ihrer Freiheit beraubt, in enge Boxen gezwängt um auf eine Reise ins Unbekannte zu gehen um an Orten abgegeben zu werden, die sie hoffnungslos überfordern.

 

Immer mehr Hunde werden sich in Tierheimen wiederfinden, eingesperrt in enge Zwinger und ohne große Chance, diesen Ort jemals wieder verlassen zu können.

Und für viele dieser Hunde wird ihre Rettung weiterhin ganz anders enden. Sie werden eingeschläfert, weil sich in Tierheimen oder anderen Organisationen kaum noch Platz findet für all die außer Kontrolle geratenen und somit nicht vermittelbaren Hunde.

 

Man kann und muß nicht jeden Hund retten. Ein Straßenhund ist nicht zwingend unglücklich, nur weil er auf der Straße lebt. Es kommt immer auf die jeweilige Situation an. Retten ja, aber zuerst mit Verstand und dann mit Herz.

 

Gestehen wir uns ein, dass auch wir Menschen an unsere Grenzen kommen können. Dass wir nicht für alles eine Lösung haben und schon gar nicht die Naturgesetze außer Kraft setzen können. Ist ein genetischer Defekt die Ursache für die Verhaltensauffälligkeiten, werden selbst die schmackhaftesten Leckerlies oder das lauteste Kommando nicht für Abhilfe sorgen können.

 

Ein altes Sprichwort sagt: was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Dies gilt auch heute noch.

 

Deprivationsschäden sind weder trainierbar noch therapierbar. Sie bleiben ein Leben lang - bei Mensch und Hund. Es sind die natürlichen Grenzen des Machbaren.

 

Die Ehrlichkeit dies zu thematisieren, vermisse ich in der Hundewelt 2.0. Es ist eine Welt, die auf Gleichheit setzt und übersieht, dass Hund nicht gleich Hund ist. Dass jeder Hund individuell ist und manche auch speziell sind. Manche Hunde sind fernab jeglicher Norm und werden es auch immer sein. Sie werden immer etwas Besonderes sein und daher auch besondere Menschen brauchen. Sie brauchen Persönlichkeiten, die um Hunde wissen und standhaft bleiben wenn die Außenwelt meint, alles besser zu wissen.

 

Machen wir uns ehrlich und überdenken unsere Vorstellungen von perfekten und funktionierenden Hunden. Glauben wir nicht nicht allen Empfehlungen, die jemand empfohlen hat weil irgendwer meint, etwas empfehlen zu können.

 

Wagen wir wieder mehr Ehrlichkeit und befreien uns von dem durch außen auferlegten Stress. Es wäre ein Segen für Mensch und Hund und eine gute Grundlage, um einen gemeinsamen Weg finden zu können. Es ist der Weg, den kein anderer kennen kann. Es ist IHR Weg!

 

Schließen möchte ich mit einem Zitat von Karl Lagerfeld „Persönlichkeit fängt dort an, wo der Vergleich aufhört“.

 

Hören wir auf, uns und unsere Hunde mit anderen zu vergleichen (müssen)!

 

©️Marion Höft

Darf der Hund ins Menschenbett?

Gepostet am 16. November 2020 um 11:30

Diese Frage entzweit HundehalterInnen und Hundehalter und die Diskussionen werden teilweise emotional und kontrovers geführt.

 

Warum eigentlich?

 

Gerne wird angeführt, dass Hunde erhöhte Positionen ausnutzen, um die Herrschaft über Haus und Hof zu übernehmen.

 

Hier möchte ich anmerken, dass kein Hund bestrebt ist, die Weltherrschaft zu übernehmen, im Gegenteil. Die meisten Hunde wären mit dieser Aufgabe hoffnungslos überfordert.

 

Brenzlig wird es nur, wenn der Mensch es versäumt hat die „Eigentumsverhältnisse“ zu klären.

Ein Bett, die Couch oder alles andere sind für Hunde in erster Linie Ressourcen, die im Zweifelsfall auch energisch gegen Konkurrenten (dies kann durchaus auch der Mensch sein) verteidigt werden. Ein gutes Beispiel hierfür sind Hunde, die ihr Spielzeug nicht mehr dem Menschen überlassen. Sie laufen damit weg oder zeigen ihren Menschen zähnefletschend, was sie von einer „Besitzaufgabe“ halten - nämlich nichts!

 

Häufig bitten HundehalterInnen um Unterstützung, weil Couch oder Bett vom Hund besetzt werden und er diese auch gegenüber seine Menschen energisch verteidigt.

 

Grundsätzlich gilt in der Welt der Hunde: worauf ich meine Pfote, mein edles Haupt oder meinen Astralkörper ablege, gehört mir. Diskussionen hierüber erübrigen sich, diese gibt es aus Hundesicht nicht.

Daher ist es auch meist sinnlos, den Hund zu bitten Couch oder Bett wieder seinen Menschen zu überlassen. Erstmal gilt: meins ist meins!

 

Ein weiters Problem welches häufig entsteht ist, dass zwar Herrchen oder Frauchen ins Bett dürfen, Partner oder Partnerin aber nicht. Diese werden unmissverständlich davon abgehalten, sich dem Bett auch nur zu nähern. Wird diese Warnung nicht beachtet, kommt es mitunter auch zu Angriffen.

 

Viele HundehalterInnen haben ihren Hunden gelernt, auf Kommando den ausgewählten Liegeplatz zu verlassen. Dies hat zur Folge, dass sich die Hunde immer wieder auf die begehrten Plätze legen und immer wieder weggeschickt werden müssen. Dass Bett, Couch oder sonstiges Mobilar dem Menschen gehört und dieser bestimmt, wer wann diese Ressource benutzt, haben sie aber nicht gelernt.

 

Damit es zuhause zu keinen Auseinandersetzungen um die Ressourcen kommt, ist es wichtig den Hunden von Anfang an zu lernen, dass alles, wirklich alles dem Menschen gehört. Hunde brauchen klare Regeln und Grenzen. Nur so können sie sich an die vom Menschen aufgestellten „Spielregeln“ halten.

 

Ist die Ressourcenverteilung geklärt und von den Hunden akzeptiert, ist es vollkommen egal ob der Hund mit im Menschenbett liegt oder nicht.

 

Ob dies hygienisch ist oder nicht, muss jeder für sich selbst beantworten. Auch die Frage, wie häufig die Bettwäsche gewechselt wird oder werden muss, muss jeder für sich selbst entscheiden.

 

Manchmal aber ist dieses Zusammenliegen, das Teilen dieser Ressource und die gemeinsame Ruhezeit mehr wert, als alle angebotenen Beschäftigungsprogramme zusammen!

 

Und ja, meine Hunde dürfen ins Bett, wenn sie vorher „fragen“ und auf meine Erlaubnis warten. Ich gebe zu, dass es mitunter recht eng wird aber ich möchte diese besondere Nähe zu meinen Hunden nicht missen. Wenn Schlafenszeit ist, müssen sie den warmen Liegeplatz aber wieder mir überlassen.

 

 

Marion Höft

Die grosse allgemeine Verunsicherung

Gepostet am 29. Oktober 2020 um 13:50

Viel wird geschrieben und noch mehr erzählt. Jeder weiß etwas anderes, jeder empfiehlt eine andere Methode und die Wissenschaft überrascht mit immer neuen Erkenntnissen über die Funktionsweisen der Hunde.

 

Hinzu kommt der Onlinehundemarkt. Auf vielen verschiedenen Seiten werden Hunde mit den rührendsten Beschreibungen angepriesen. Bello leidet so sehr, die kleine Luna wird gemobbt und muss vor den anderen bösen Hunden gerettet werden, Fiffi sucht dringend ein warmes Körbchen oder die süße Maya sitzt auf einem gepackten Köfferchen. Die allermeisten Hunde werden als lieb beschrieben, die noch nie Auffälligkeiten gezeigt haben. Mitgeliefert wird natürlich die unendliche Dankbarkeit der Hunde und das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben.

 

Diese Hunde kommen zu Menschen die zwar wissen wen sie sich geholt haben, aber nicht mehr was. Dass Hunde trotz aller optischen Veränderungen immer noch Jagdraubtiere und Beutegreifer sind, stand nicht in der Beschreibung.

 

Vorab wurden zwar Ratgeber studiert die aufgezeigt haben, wie leicht es doch ist, einen Hund, egal welchen, zu trainieren und somit gefügig zu machen. Beherrscht der Hund die Grundkommandos steht er im Grundgehorsam und der Familienhund ist erschaffen. So einfach soll es sein?

 

Zusätzlich hilft die Wissenschaft den Menschen, die Funktionsweisen der Hunde zu erklären. Man erfährt wie ein Hund am besten lernt, wie sein Gehirn oder die Verdauung funktioniert. Auch hier wird das Thema Hund im Allgemeinen betrachtet und erforscht. Unberücksichtigt bleiben die Einzigartigkeiten eines jeden einzelnen Hundes. Es verwundert daher nicht, dass regelmäßig neue wissenschaftliche Erkenntnisse veröffentlich werden, die die alten als überholt darstellen. Ja was denn nun?

 

Zusätzlich kommen immer neue Erziehungsmethoden auf den Markt. Die Zahl der Grundkommandos wird stetig erweitert, Click for Blick, positive Verstärkung, operante Konditionierung oder auch die berühmt berüchtigte Rütteldose. Ich habe sicher einige Methoden vergessen. Welche soll es denn nun sein? Am besten die, die am lautesten angepriesen wird. Wer schreit hat recht, oder doch nicht?

 

Neuerdings sprießen Onlinehundeschulen wie Pilze aus dem Boden. Bedient wird der Markt der digitalen Generation. Gezeigt werden einfache Übungen, die auf alle Hunde und auch ihre Menschen übertragbar sein soll. Die Versprechungen sind groß, Hauptsache Mensch ist zufrieden. Der Charakter des eigenes Hundes ist nicht so wichtig. Hund ist doch Hund, so wird es berichtet. Ist dem wirklich so?

 

 

Weiter geht es mit Nachbarn, Freunden oder Bekannten. Jeder hat andere Erfahrungen, jeder sagt wie der Hund zu sein hat und so wie es gemacht wird, ist total verkehrt. Was stimmt denn jetzt nun?

 

Wenn es um den Hund geht möchte man lauthals losschreien „Leute gehts eigentlich noch“? Es sind Hunde, einfach nur Hunde.

 

Sehen wir der Realität ins Auge erkennen wir, dass etwas im Verständnis und im Umgang mit Hunden gewaltig schief läuft. Wir wissen heute so viel und doch so wenig.

 

Wir wissen wie man einen Hund trainiert, aber nicht wie man ihn führt. Wir wissen wie man einen Hund befiehlt, aber nicht wie man ihm Orientierung gibt.

 

Angefeuert von der Industrie mit den neuesten psychologischen Finessen werden Hunde zunehmend vermenschlicht und verniedlicht. Süß, kuschelig, goldig oder lieb hört man von allen Seiten. Der Mensch will es so sehen. Dass der Hund unsicher oder ängstlich ist, bereits erste Warnungen sendet oder mit der Situation überfordert ist, wird nicht gesehen. Das passt nicht ins moderne Heileweltbild.

 

Die Zahl der Tierheiminsassen oder auch die unzähligen Suchen nach einem neuen Zuhause sprechen eine deutliche Sprache und sollten uns wachrütteln. Sie zeigen uns mit aller Deutlichkeit auf, dass wir uns in Bezug auf unsere Hunde verirrt haben. Dass wir uns von immer mehr Meinungen, Erkenntnissen oder Studien haben verunsichern lassen.

 

Es braucht keine Wissenschaft um zu erkennen, dass es die eine Methode für alle nicht geben kann. Jedes Lebewesen ist anders, hat seine Stärken, Schwächen und auch Kompetenzen. Wenn man miteinander klarkommen will, gilt es diese zu erkennen und zu lernen, mit diesen umzugehen. Auch Hunde müssen gefördert und gefordert werden. Dies geht jedoch nur individuell.

 

Es braucht keine weiteren Methoden, keine vermeintlich artgerechten Hilfsmittel, oder immer neue wissenschaftliche Ratgeber. Die rasant steigende Zahl der „Problemhunde“ zeigt uns, dass wir damit krachend gescheitert sind.

 

Hunde brauchen wieder Menschen, die über einen gesunden Menschenverstand verfügen sowie das Herz am rechten Fleck haben. Sie brauchen Menschen, die authentisch sind und standhaft bleiben. Sie brauchen Menschen die sich nicht vom ersten Lüftchen verunsichern lassen, sondern ihren Weg gehen.

 

Hunde brauchen Menschen, die die rosarote Brille ablegen und bereit sind zu sehen was zu sehen ist, und nicht was andere sagen was sie sehen sollen.

 

Hören wir auf mithilfe von Ratgebern zu analysieren, was der Hund falsch macht und fangen wir an, uns die Frage zu stellen warum der Hund reagiert wie er reagiert. Diese Antwort können wir nicht googeln, die Antwort geben uns die Hunde. Jeder für sich!

 

Grundvoraussetzung für eine gute Beziehung ist eine gelungene Kommunikation. Anstatt unsere wertvolle gemeinsame Zeit damit zu vergeuden, die Hunde auf einen Truppenübungsplatz zu schleppen, um ihnen Befehle erteilen zu lernen ist es an uns, die Sprache der Hunde zu lernen. Wir müssen wieder lernen sie zu lesen und ihre wahren Bedürfnisse zu verstehen.

 

Wir müssen uns verhundlichen und nicht andersrum! Lernen wir aus alten Fehlern und haben den Mut, neue Wege zu beschreiten. Dann kommen wir der Welt unserer Hunde wieder näher. Es ist eine Welt, in der es keine Kommandos, Hilfsmittel oder Wissenschaft gibt.

 

Es ist eine Welt, die nach Präsenz und Authentizität verlangt. Es ist eine Welt, in der klar und eindeutig kommuniziert wird. Eine Welt, die keineswegs derart kompliziert ist, wie uns von allen Seiten eingeredet wird.

 

Am Ende dieses Artikels stellt sich mir eine Frage: Wie haben es Menschen und Hunde nur geschafft, gemeinsam ohne all dieses Gedöns zu überleben?

 

Vielleicht weil weniger mehr ist?

 

©Marion Höft


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